Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.10.12; Sebastian Richter

Quarterlife Crisis

Ich war mir sicher: Das ist sie! Das ist DIE Zeit meines Lebens, von der immer alle reden. Besser geht nicht. Ich war mir so sicher. Mehrmals schon.

Und ich hatte auch immer meinen Soundtrack dazu ...

"It's my life" von Bon Jovi hab ich zum ABI gehört. Ab zur Schule: Gut gelaunt. Sonnenbrille. Fenster runter. Musik laut. "Geile Zeit" von Juli – kurz vorm Bachelor: Ab zur Uni: Gut gelaunt. Sonnenbrille. Fenster runter. Radio laut.

Aber irgendwann begann ich, dieses Gefühl infrage zu stellen. Denn es geht weiter. Das war's eben nicht. Das ist noch NICHT DIE Zeit deines Lebens. "An Tagen wie diesen […] erleben wir das Beste!“ singen die Toten Hosen.

Das war nun so gar nicht mehr mein Soundtrack ... Jawohl, ich hatte meine erste Lebenskrise. Inzwischen nenne ich sie etwas scherzhaft Quarterlife-Crisis. Welchen Wert hat das Gefühl, endlich Bachelor of Arts zu sein? – welchen Wert hat dieses Gefühl, wenn ich inzwischen doch kapiert hab: Es ist noch nicht dein Lebenswerk. Es wird auch wieder bergab gehen. Ganz sicher.

Die Toten Hosen singen weiter: "An Tagen wie diesen haben wir noch ewig Zeit"

Genau da steckt die Antwort für mich drin. Jede Zeit, jede Lebensphase hat ihre Höhepunkte. Das ist gut so. Das beruhigt und macht Mut. Denn - das hat mir meine kleine Quarterlife Crisis gezeigt: Ich muss die guten Zeiten nicht krampfhaft festhalten oder ihnen hinterhertrauern, denn es kommt noch mehr. Und genau das hilft mir auch in schlechten Zeiten zuversichtlich zu sein.

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag Quarterlife Crisis


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