Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.10.12; Nicole Richter

Mut zum Mut - Strickend die Welt verändern

Autorin 1: Es gibt Menschen, die klagen. Über das Wetter. Die unerledigte Arbeit. Die Stimmung im Büro. Und es gibt Menschen, die nicht ständig klagen.

Menschen, die etwas tun, gegen die Dinge, die sie stören. Brunhild Mescher-Ubachs ist so eine Frau. Sie lebt in Dortmund-Mengede, einem typischen Vorort, die Einkaufszone ist hübsch begrünt, die Seitenstraßen grau und eintönig. Ihr Laden liegt in so einer tristen Seitenstraße. Dort verkauft sie alles, was mit Stricken zu tun hat. Eine Zeit lang hat sich Brunhild Mescher-Ubachs über die öde Atmosphäre in ihrem Stadtteil geärgert, dann hat sie angefangen, die Tristesse zu bekämpfen - mit Wolle und Stricknadeln...

O-Ton 1: Wir haben die Laterne eingestrickt, die Ampel, das Verkehrsschild gegenüber und so ein paar kleine Pfosten haben wir immer eingestrickt. Dann holen wir uns die große Leiter und dann wird das um die Laterne genäht, noch ein paar Blumen werden da vorne noch mit dran genäht, wir haben auch einen Weihnachtsmann an der Laterne gehabt,.

Autorin 2: Guerilla Stricken nennt sich das und ist eine Kunstform, die aus Amerika kommt. Socken, Pullover oder Mützen stricken - das war einmal. Jetzt gestalten immer mehr Frauen ihren öffentlichen Lebensraum neu – mit eben diesen weiblichen Graffittis. Während die jüngeren Guerilla Strickerinnen auch heimlich, des Nachts ungefragt ihre Kunstwerke anbringen, zieht Brunhild Mescher-Ubachs den legalen Weg vor.

O-Ton 2: Wir haben also gefragt. Und die Stadt Dortmund hat überhaupt nichts dagegen, solange man keine Bäume einstrickt.

Autorin 3: Die Kunstwerke der Guerilla Strickerinnen dienen zumeist der Verschönerung, manchmal sind sie aber auch mit feministischen oder politischen Aussagen verknüpft.

O-Ton 3: Für mich ich das etwas ganz Normales, zu sagen: Ist die Laterne hässlich- wir machen da mal irgendetwas dran. Ich find das also ganz schlimm, dass unsere Städte so öde sind teilweise, und die Stadt hat ja immer kein Geld. Wir haben auch die Blumenkübel da vorne bepflanzt, damit da mal ein bisschen Atmosphäre reinkommt.

Autorin 4: Einfache Sache, große Wirkung. Die einst trostlose Straße in Dortmund Mengede ist Dank der wollenen Kunstwerke bunter und freundlicher geworden. Oft bleiben Fußgänger stehen und lächeln bei dem kuriosen Anblick einer eingestrickten Ampel. "Macht also einander Mut und helft euch gegenseitig weiter, wie ihr es ja schon tut.“ (1.Tessalonicher 5,11) So steht’s in der Bibel. Und der Spruch passt auch nach Dortmund- Mengede. Wer die Augen und das Herz offen hält und mutig ist, kann die Welt ein Stück verändern. Das geht auch mit Wolle und Stricknadeln.

 

Audiobeitrag Mut zum Mut - Strickend die Welt verändern


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