Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.10.12; Pfarrer Joachim Gerhardt

Lucas Cranach der Ältere

Autor: Viele Menschen glauben, evangelische Kirche habe mit Bildern nichts am Hut. Das kann man denken.

Denn protestantische Kirchen wirken im Vergleich zu katholischen oft schlicht und karg. Im Zentrum steht bei uns eben das Wort, die Bibel, die Predigt. Aber ist das ein Grund, auf Bilder für den eigenen Glauben zu verzichten? Nein. Dafür steht schon einer der engsten Freunde und Weggefährten Martin Luthers: Lucas Cranach der Ältere, einer der bedeutendsten Maler Anfang des 16. Jahrhunderts.

O-Ton: Nicht nur wegen seiner bekannten Portraits reformatorischer Persönlichkeiten, sondern ebenso wegen seiner Illustration zur Bibel (und für zahlreiche Reformationsschriften). Und mehr noch: Er gilt als der Begründer einer protestantischen Kunst, in der sich Luthers Theologie bildlich umgesetzt findet.

Autor: … sagt die Bonner Kunsthistorikerin Susannah Cremer-Bermbach. Glaube braucht Anschauung. Und auch für meinen evangelischen Glauben haben Bilder immer schon eine wichtige Rolle gespielt. Ich denke an die Bilder meiner Kinderbibel oder die farbenfrohen Bibelzeichnungen von Marc Chagall. Sie haben mich geprägt und mir gesagt: Jesus ist nicht abstrakt, sondern sichtbar in unserer Welt. Mitten unter uns – so wie bei Lucas Cranach.

O-Ton: Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist die Mitteltafel mit der Kreuzigung Christi auf dem Altar der Weimarer Stadtkirche. (…) Hier sieht man einen Blutstrahl aus der Gnade der Seitenwunde Christi, die auf den Kopf des Künstlers trifft, der zwischen Johannes dem Täufer und Luther stehend, die Gläubigen im Allgemeinen repräsentiert.

Autor: Cranachs Bilder zeigen den Menschen direkt vor Gott. Da ist keine Kirche, kein Papst dazwischen. Seine Bilder sind Bilder gegen die Angst vor Tod und Teufel, die die Kirche damals kräftig geschürt hat. Cranachs Bilder erzählen dagegen von Erlösung und von der Liebe, die Gott allen Menschen schenkt, die auf Gottes Wort vertrauen – ein Zuspruch, den ich mir auch fast 500 Jahre später noch gerne sagen lassen möchte.

O-Ton: Lucas Cranach war schon zu seinen Lebzeiten ein hochangesehener Künstler mit entsprechend vielen Aufträgen. In seiner großen Werkstatt sollen neben Zeichnungen, Holzschnitten, einigen Kupferstichen allein 5000 Gemälde entstanden sein.

Autor: Der Glaube braucht Anschaulichkeit. Die Bibel selbst malt wunderbare Bilder: Der Herr als fürsorglicher Hirte, der seine Schafe weidet. Der Regenbogen als Zeichen für Gottes Segen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir diese Bilder in der Seele tragen: innerlich vor Augen haben und im Herzen bewahren.

O-Ton: Luther hat sich dezidiert dafür ausgesprochen, dass Bilder eben nicht zum Anbeten da sind, sondern „zum Ansehen, zum Zeugnis, zum Gedächtnis, zum Zeichen“ Und in diesem Sinne hat Cranach die Bilder umgesetzt, dass sie das, was in der Bibel steht, (verschildern und) veranschaulichen. Und in dem Sinne hat er eben auch die erste Übersetzung des Neues Testaments ins Deutsche von Luther illustriert. Und diese Bibelillustrationen sind bis heute von grundlegender Bedeutung für das protestantische Kunstverständnis.

Autor: Bilder inspirieren den Glauben. Sie fordern mich heraus, nach Gott in meinem Leben zu fragen. Das ist für mich das Erbe von Lucas Cranach. Heute vor 459 Jahren ist er, an die 80 Jahre alt, in Weimar gestorben. Sein Sohn, Lucas Cranach der Jüngere, setzte die wichtige Arbeit seines Vaters fort.

 

Audiobeitrag Lucas Cranach der Ältere


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