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Umfairteilen?
Diejenigen, die das Getreide einsammeln, sollens auch essen und Gott rühmen, und die den Wein einbringen, sollen ihn trinken. Jes. 62,9
So sah für den Propheten Jesaja eine gerechte Gesellschaft aus. Niemand soll als Erntehelfer ausgebeutet werden, ohne einen gerechten Lohn dafür zu bekommen. Für unsere Zeit heißt das: Eine Wirtschaftsordnung ist nur dann gerecht, wenn jeder einen fairen Anteil am Ertrag seiner Arbeit bekommt.
In den vergangenen Jahrzehnten ist in unserem Land ein Wohlstand gewachsen wie nie zuvor. Das verdanken wir auch unserer Wirtschaftsordnung. Aber gleichzeitig führt sie dazu, dass der Unterschied zwischen Reich und Arm immer größer wird.
Ein Prozent der Deutschen besitzt ein Viertel des Vermögens: etwa eine Billion Euro. Das entspricht der Hälfte der deutschen Staatsschulden. Zwei Drittel der Menschen haben dagegen kein oder nahezu kein Vermögen. In letzter Zeit mehren sich die Stimmen, die darin einen Skandal sehen.
Diejenigen, die das Getreide einsammeln, sollens auch essen und Gott rühmen, und die den Wein einbringen, sollen ihn trinken. Jes. 62,9 Wie passt es zu diesem Maßstab, wenn das Vermögen in Deutschland so ungleich verteilt ist? Kann ein Prozent der Deutschen so hart arbeiten, dass es ein Viertel aller Früchte verdient? Auch wenn ihnen ihr Kapital unter die Arme greift und kräftig für sie arbeitet? Darf es sein, dass zwei Drittel von den Früchten ihrer Arbeit keine Rücklagen bilden können? Nach dem Maßstab des Jesaja kann das nicht mehr als gerecht bezeichnet werden!
Kein Mensch kann hundertmal so viel arbeiten wie andere. Auch wenn man seine besondere Ausbildung und seine seltenen Talente berücksichtigt. Also sollte auch kein Mensch hundertmal so viel verdienen dürfen wie seine Angestellten. Und wenn er es trotzdem tut, soll er mit einem Teil seines Vermögens für die Aufgaben der Gemeinschaft eintreten. Viele tun das schon. Wer sich dagegen sträubt, sollte durch eine besondere Abgabe dazu verpflichtet werden.
Ein Bündnis aus Gewerkschaften, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Bewegung Attac haben sich vor kurzem zu Wort gemeldet. Ihr Bündnis heißt um-fair-teilen mit fair wie in Fairplay. Sie fordern, dass in der gegenwärtigen Krise die großen Vermögen einen besonderen Beitrag leisten sollen. Dazu soll eine Vermögenssteuer wieder eingeführt werden, die vor dem Verfassungsgericht bestehen kann. Und die Erbschaftssteuer soll angehoben werden.
Auch von anderer Seite sind ähnliche Forderungen laut geworden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schlug vor, dass von besonders hohen Vermögen Zwangsanleihen und zusätzliche Abgaben erhoben werden sollen. Nur so sei es möglich, die enorm angewachsenen Schulden unseres Landes abzubauen. Einige Ministerpräsidenten haben sich diese Forderung zu eigen gemacht. Für mich scheint das ein angemessener Weg zu sein, um Jesajas Maßstab gerecht zu werden.
Sprecher: Pfarrer Matthias Köhler
Umfairteilen?
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