Nichts in der Welt
Autor: Mit seiner schwarzen Kleidung fällt er hier nicht besonders auf. Eher schon mit seinem Kopfhörer und dem iPod. Damit ist er der einzige auf dem Friedhof.
Aber außer ihm gibt es hier auch nicht so viele 26-Jährige, die lange an einem Grab stehen. Er hört die Ärzte: Nichts in der Welt.
Musik: Es ist vorbei und der Himmel ist schwarz, weil die Sonne hier nie wieder scheint. Es ist vorbei, doch ich hoffe, dass das, was uns trennte, uns wieder vereint. Es ist vorbei und nichts in der Welt wird es je wieder gutmachen können. Es ist vorbei.
Autor: Seit vier Wochen ist Sabrina tot. Seit der Beerdigung ist er täglich auf dem Friedhof. Seine Gefühle und Gedanken gehen immer noch total durcheinander. Manchmal möchte er sterben, um wieder mit seiner Freundin zusammen zu sein. Manchmal denkt er, dass es nie wieder gut werden kann. Am liebsten will er verschwinden. Vor den andern. Und vor seinen Gefühlen.
Musik: Es ist vorbei wenn ich könnte, dann würde ich vor meinem Leben wegrennen. Würd' die Augen verschließen und ich würde probieren, meine Gefühle einfach zu ignorieren. Ich will so kalt sein, dass alle erfrieren. Will mich nie mehr verlieben, um nie mehr zu verlieren.
Autor: Die Gefühle ignorieren. Sie zum Erfrieren bringen. Soweit ist er noch lange nicht. Immer wieder kommt die Frage nach der Schuld in ihm hoch. Hatte er etwas falsch gemacht? Hätte er sie retten können? Vor der Dunkelheit, die sie immer wieder beschlich. Vor der Angst, dem Leben nicht gewachsen zu sein. Aber im nächsten Moment ist er doch auch wieder zornig auf sie: Warum hast Du mir das angetan? Warum mich allein gelassen?
Musik: Es dauert noch, bis ich begreife, was das heißt: Es ist vorbei, ich weiß nicht, warum sag mir, was hab ich falsch gemacht. Es ist vorbei, Du hast mein Herz zerfetzt und Dir gar nichts dabei gedacht.
Autor: Bei der Beerdigung hatte er die Leere gespürt, die in allen steckte. Nur der Pfarrer hatte versucht, Hoffnung zu machen. Als Christ hätte er das Vertrauen, dass das Ende auch der Anfang von etwas Neuem wär.
Musik: Es ist vorbei und ich will nicht begreifen: Jeder Mensch ist für immer allein. Liebe ist nur ein Traum, eine Idee und nicht mehr. Tief im Inneren bleibt jeder einsam und leer. Es heißt, dass jedes Ende auch ein Anfang wär'. Doch warum tut es so weh und warum ist es so schwer?
Autor: Der Tod ein Anfang? Etwas Neues, das frei ist von Depression? Ein neues Leben, in dem es Sabrina besser geht. Vielleicht ist das ja ein Gedanke, der ihm hilft, sie loszulassen...
Musik: Ich lasse Dich gehen, auch wenn es mich zerreißt. Es ist vorbei, vorbei, vorbei! Es ist vorbei, vorbei, vorbei! ...
Sprecher: Pfarrer Matthias Köhler
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