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Augen-Blicke
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer, Christen als Guerilla-Gärtner und Baumpaten? Warum nicht.
Das dachten wir uns in der Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen in Düsseldorf, und haben im September eine Aktion gestartet. Wir befreiten Umrandungen von Bäumen vor unserer Haustür von Müll, rupften Unkraut oder pflanzten etwas an. Und so wachsen demnächst an den Bürgersteigen Gräser und Kräuter oder kleine Sträucher wie Johanniskraut oder Berberitzen. Menschen aus den Gemeinden, übernahmen so Verantwortung für die Schöpfung und setzten sichtbare Zeichen. Dass es Grünflächen in der Stadt gibt, Parks, einigermaßen gesunde Luft zum Atmen und genug zu essen, ist nicht selbstverständlich. Bei den Erntedankfesten dieser Tage landauf landab ist das Thema. Die Natur ist uns von Gott geschenkt und braucht unsere Pflege. Nicht zuletzt deshalb, weil wir von ihr leben. Solange wir Zigarettenkippen aus der Bahn werfen und damit Waldbrände verursachen, die Fahrbahnränder an Autobahnausfahrten als Müllhalden genutzt werden und an Stränden Plastikflaschen und Unrat Tiere gefährden, solange braucht es solche Erinnerung.
Dabei geht es nicht darum, dass Christen jetzt die besseren Grünen sein möchten oder den Dreckweg-Tagen allerorten Konkurrenz machen. Wir klinken uns als Gemeinden da gerne ein und blicken noch etwas weiter. Wir richten das Augenmerk darauf, wie Leben insgesamt von Gott gedacht ist. Da gibt es das Bild vom Paradies am Anfang der Bibel: Ein großer Strom bewässert das Land und macht es fruchtbar. Da gibt es Bäume mit wohlschmeckenden Früchten, und mittendrin der Mensch, der diesen Garten bebauen soll. Und am Ende der Bibel im Buch der Offenbarung die Vision vom himmlischen Jerusalem:
Wieder gibt es einen großen Fluss mit klarem Wasser, Bäume mit Blättern und Früchten. Da leben Menschen, Tiere und die Natur im Einklang, untereinander und mit Gott. Die Blätter der Bäume dienen der Heilung der Völker und es ist so hell und licht, dass die Sonne nicht mehr gebraucht wird, weil Gott alles erleuchtet. Jeder hat den Stellenwert, den Gott ihm zugedacht hat. Die Menschen haben sich einstmals von dem paradiesischen Zustand entfernt, weil sie meinten, sie könnten sich von ihrem Schöpfer emanzipieren und wüssten selbst wo es lang geht. Bis heute ist das so. Wie beim Turmbau zu Babel wollen wir immer höher, immer weiter, immer schneller und übersehen allzu oft unsere Grenzen als Geschöpfe. Wir erkennen die Folgen unseres Handeln nicht immer oder wir handeln wider besseren Wissens so, dass es uns selbst und unserer Umwelt schadet. Deshalb brauchen wir diese Vision vom himmlischen Jerusalem, um zu wissen, wie es in dieser Welt eigentlich aussehen sollte. Was eigentlich paradiesische Zustände sind.
Es geht also nicht nur um Umweltschutz, es geht um gelingendes Miteinander in dieser Welt, überhaupt unter den Geschöpfen Gottes.
Mit unserer Aktion wollten wir genau das anstoßen: Mit offenen Augen durch unsere Stadt zu gehen und unsere Umgebung als Schöpfung Gottes wahrzunehmen, die er für uns bereithält und für die wir verantwortlich sind. Und damit uns diese Verantwortung nicht zu sehr drückt, gibt es noch die Entlastung dazu. Sie steht in dem Bibelvers für das Erntedankfest: Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. (Psalm 145, Vers 15)
Einen Augen-Blick zu haben für Ihre Umwelt und deren Schöpfer, das wünsche ich Ihnen für den heutigen Tag, Ihre Barbara Schwahn, Pfarrerin aus Düsseldorf.
Augen-Blicke
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