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Unser täglich Brot
Meine Oma hatte eine Angewohnheit, die ich als Kind nie verstanden habe: Bevor sie ein Brot angeschnitten hat, hat sie in die Unterseite ein kleines Kreuz eingeritzt.
Und dann das Endstück abgeschnitten und mir gegeben, weil ich das so gerne mochte. Irgendwann einmal habe ich sie gefragt, warum sie das macht. Sie hat es mir erklärt: Weil es nicht selbstverständlich ist, genug zu haben, um sich satt essen zu können und wir einen Grund haben, dankbar zu sein. Und dass es deswegen im Vaterunser direkt am Anfang um das ganz Alltägliche geht: Unser tägliches Brot gib uns heute.
Oma hat das noch erlebt, wie es ist, nichts zu essen zu haben. Ich nicht. Aber manchmal, wenn ich daran denke, ritze ich jetzt auch mein Brot ein. Weil es auch in meinem Leben Dinge gibt, die mir geschenkt werden, die ich nicht selbst in der Hand habe. Dass ich ziemlich gesund bin, zum Beispiel. Dass ich selbst entscheiden kann, was ich mit meinem Leben anfangen will. Dass um mich herum kein Krieg herrscht. Dafür bin ich dankbar. Aber wahrscheinlich viel zu selten.
Sprecherin: Alexa Christ
Unser täglich Brot
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