Gartenfreunde
Guten Morgen, liebe Gartenfreunde! Was war das doch für ein Sommer in diesem Jahr: Meistens zu nass die Kartoffeln sind nichts geworden.
Dabei hatte ich mich so darauf gefreut. Auf diese kleinen, frischen... einfach mit Schale kann man sie essen. Kurz kochen, ein bisschen Butter und Salz dazu köstlich! Na gut, nächstes Jahr vielleicht wieder.
Möhren sind ja auch so eine Wissenschaft für sich. Mir sind sie noch nie gelungen. Entweder sind sie gar nicht gewachsen oder irgendwelche Würmer hatten sie schon für sich entdeckt. Mein Onkel seines Zeichens stolzer Kleingartenbesitzer und Experte auf dem Gemüsegebiet experimentiert jetzt bald das dritte Jahr mit Möhren. Nach dem ersten Fehlschlag hat er extra ein Hochbeet gebaut. Möhren brauchen nämlich lockere Erde. Und der richtige Abstand der einzelnen Pflänzchen spielt auch eine große Rolle. Wer´s richtig gemacht hat, kann jetzt gerade dieser Tage ernten in der Hoffnung, dass ihm nicht der erste Frost zuvor kommt.
Ganz anders ist es bei Grünkohl der braucht gar Frost, um richtig zu schmecken. Allerdings: Haben Sie schon mal Grünkohl angebaut? Riesige Pflanzen. Stundenlange Putz- und Waschaktionen. Und wenn man das Ganze dann endlich gekocht hat, bleibt von dem riesigen Berg nur ein winziges Häuflein über.
Alles ganz schön kompliziert. Ich hatte mir das einfacher vorgestellt. Und es sieht ja auch immer alles so einfach aus. Viele Jahre habe ich aus meinem Fenster heraus direkt auf ein Beet geschaut. Die alte Dame, bei der ich wohnte, hat es in jedem Jahr neu bestellt. Im Frühjahr umgegraben, dabei meistens ihren Kaffeesatz gleich mit. Abgedeckt, wenn es zu nass war. Gewässert, wenn es nicht regnen wollte. Alles Mögliche gab es da: frischen Salat, Zucchini, Bohnen, allerlei Kräuter und natürlich auch Möhren und Grünkohl.
Sie hat gelebt für ihren Garten und durch ihn. Gemüse kaufen? Nicht, wenn es sich vermeiden ließ. Das schmeckt mir einfach nicht, hat sie immer gesagt.
Bis sie eines Tages meinte: In diesem Jahr habe ich zum letzten Mal meinen Garten bestellt. Und so war es auch.
Bei vielen Hobbys habe ich Menschen sagen hören: Das ist mein Leben. Bei wenigen stimmt es so sehr wie beim eigenen Garten. So ein Garten braucht Hege und Pflege. Wenn mir etwas gelingen soll, gibt es keine Erfolgs-Garantie: Ich muss es einfach versuchen. Richtig gut gehen wird es aber erst mit der Zeit: mit den Erfahrungen, die ich sammle.
Alles kann ich allerdings auch bei aller Übung nicht beeinflussen. Manchmal nehmen sich die äußeren Umstände ihren Raum. Und dann ist plötzlich Land unter oder nach einer heißen Phase kommt die Durststrecke.
Es gibt die Zeit des Säens und die Zeit des Erntens. Dazwischen können die Dinge wachsen und gedeihen, vor allem mit Geduld. Von manchem werde ich so viel ernten, dass ich gar nicht weiß, wohin mit dem Ganzen. Von anderem hätte ich gerne noch mehr gehabt.
Am Ende steht die Hoffnung, es irgendwie richtig gemacht zu haben. Und zu denen zu gehören, von denen es in der Bibel heißt: Sie werden kommen [
] und sich freuen über die Gaben des Herrn, [...] dass ihre Seele sein wird wie ein bewässerter Garten und sie nicht mehr bekümmert sein sollen. (Jeremia 31,12 frei nach Lutherbibel/ Gute Nachricht)
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag. Ihre Pfarrerin Daniela Kirschkowski aus Marl.
Gartenfreunde
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