Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.09.12; Pfarrer Jönk Schnitzius

Alle oder keiner

Manche opfern sich. Für die Familie. Oder, das wovon sie glauben, dies sei jetzt ihre Familie. Manche opfern sich.

Und werden krank oder kriminell oder sonst irgendwie problematisch. Andere bleiben einfach möglichst erfolglos. Heiraten nur halbglücklich und werden dann später zu früh krank.

Dass Menschen sich opfern ist keine christliche Erfindung. Opfern heißt ja: Ich tue etwas, um etwas anderes oder andere Menschen vor einem angenommenen oder realen Schaden zu bewahren. Ja, sicher. Es gibt sie – natürlich. Die Ohne - Worte Heldinnen und Helden Taten, wo Menschen frei und entschlossen aus Liebe und Überzeugung für andere eintreten bis in den Tod.

Um diese Opfertaten geht es mir jetzt nicht. Es geht mir um Kinder. Um Kinder in Familien. Die problematisch werden. Oder auffällig. Oder kaum zu ertragen. Oder kriminell. Und die meist zu viel tragen. Dabei ist klar: Wenn dieses Kind in dieser Familie in dieser Situation nicht problematisch wäre, - würde sehr wahrscheinlich entweder ein Anderer schwierig oder das Ganze würde sich auflösen.

In Seelsorge und Beratung, systemisch betrachtet, wird dann bewusst: Diese Kinder handeln ziemlich vernünftig, denn: Für sie – und in Ihren Augen auch für den Rest der Familie, ist es besser krank, auffällig oder kriminell zu sein, als das etwas Schlimmeres geschieht.

Alles hängt eben mit allem zusammen, das klingt platt – nur: Stimmen tut´s schon. Eben auch in Familien. Es geht nicht um Schuld, nicht um Ursachen. Es geht um Zusammenhänge, Wechselwirkungen, heimliche Aufträge, in Familien, die oftmals verborgen sind - aber wirken.

Und die zunächst so gelöst werden, dass sich ein – wie man so sagt – schwarzes Schaf zur Verfügung stellt – oder unausgesprochen ausgesucht wird, z. B: ein auffälliges Kind oder ein krimineller Jugendlicher.

Ich glaube, dass das was Menschen tun für etwas gut. Einen Sinn für sie hat. Auch wenn der nicht direkt zu sehen ist. Es ist ja so: Meist ist nicht das Kind das Problem, sondern es trägt diese eher. Das Problem des Nicht –Mehr –Miteinander- Redens z.B. Schwierig wird es, wenn das Kind  ein „Schwarzes Schafkostüm“ anzieht, weil es das irgendwann sehr sinnvoll fand und es vergisst , wieder auszuziehen, weil alle ihm sagen: So bist du – eigentlich: eben ein schwarzes Schaf.

Dabei brauchen sie, die Familie, die Freunde, die Gruppe, gerade einfach nur ein schwarzes Schaf. Und dann opfert sich einer. Wie wäre es ihnen zu danken? Den schwarzen Schafen, den problematischen Kindern, vielleicht sogar den kriminellen Jugendlichen. Ihnen zu danken und ihnen eine neue Lösung zuzutrauen. Jesus stellt sie in die Mitte. Er segnet die Kinder und macht sie uns zum Vorbild.

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“, sagt er. Da waren auch einige dabei, die noch das schwarze Schafkostüm trugen. Geopfert hat er sich selbst. Das reicht. Mit dem Segen Jesu steht die Kostümgarderobe offen.

Audiobeitrag Alle oder keiner


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