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Helden des Alltags
Er ist ein Held Johannes Wolf - 900 Fahrräder hat er gesammelt jetzt sind sie auf dem Weg nach Sambia.
Johannes Wolf ist einer von sechsen, die nominiert sind für den Preis Helden des Alltags.
Jedes Jahr sucht die taz Menschen, die sich für andere stark machen und - so heißt es- mutig Missstände aufdecken. Menschen, die uneigennützig und hartnäckig für eine bessere Welt kämpfen.
So wie Johannes Wolf. Bereits im vergangenen Jahr hat er Fahrräder nach Namibia verschifft. Auch in Sambia sollen die Container zu Fahrradwerkstätten umfunktioniert werden. Den ersten Transport hat er begleitet. Jetzt hält er Kontakt zu Organisationen vor Ort. Es sei enorm wichtig dranzubleiben, sagt er. Und über sich selbst. Andere haben ein Hobby, gehen schwimmen oder so. Er nutze seine Freizeit zum Koordinieren.
Zur Wahl steht auch Sandra Klatt-Olbrich, die sich für mehr Akzeptanz und ein selbstbestimmtes Leben für Mütter mit Behinderungen einsetzt. Oder Steffen Richter, der im sächsischen Pirna gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung kämpft.
Die Artikel über die Nominierten lese ich immer gerne. Nach Berichten über Krisen, Korruption und Gier finde ich es wohltuend; da gibt es Menschen, die Ideale haben, die sich einsetzen.
Und ich überlege jedes Jahr, wen ich vorschlagen würde. Wer ist in meinen Augen ein Held? Wer hat herausragende Fähigkeiten oder Eigenschaften? Wer hat besonderes geleistet?
Und ich muss gar nicht lange überlegen: Wenn ich auf die Straße sehe, fallen mir zwei Nachbarinnen auf. Die eine fuhr früher immer mit Rollerskates. Sie hatte tolle dunkle Locken. Als ich sie nach langer Zeit wieder sah, hatte sie keine Haare. Sie war furchtbar mager und bewegte sich vorwärts als wäre jeder Schritt eine große Mühe. Jetzt sehe ich sie immer zu zweit. Sie und die ältere Frau, die neben ihr wohnt. Eine, die eine kranke Nachbarin ganz selbstverständlich Tag für Tag begleitet. Eine, die mit ihrer Krankheit lebt. Die sei unheilbar, erklärt sie, aber sie lebe jetzt jeden Tag ganz bewusst.
Ist sie eine Heldin? Wer ist ein Held?
Seit dem 17. Jahrhundert singen Christen beider Konfessionen Mir nach spricht Christus unser Held. Ein Kirchenlied über christliche Nachfolge und geistlichen Kampf, das von den Deutschen Christen missbraucht wurde.
Heute wird es eher selten gesungen: an Christus als Held scheiden sich die Geister. Und auch sonst hat der Begriff des Helden an Leuchtkraft verloren hat, seit er von der Kriegspropaganda genutzt wird, um die Moral zu stärken.
Doch an alldem stört sich die taz nicht. Sie definiert den Helden neu. Sie schärft den Blick für den Alltag. Sie macht sensibel für die vielen Menschen, die sich einsetzen und manchmal auch kämpfen. Die mutig sind, Rechtsextremisten, genauso die Stirn bieten wie persönlichen Niederlagen und schweren Krankheiten. Die den Nächsten mit im Blick haben und ihn nicht alleine lassen - Helden des Alltags.
Helden des Alltags
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