Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.09.12; Magnus Anschütz

Du sollst nicht lügen

In der letzten Uniwoche hat mich eine Kommilitonin gefragt, ob sie sich meine Unterlagen kopieren könne.

Die Kommilitonin, die mich das gefragt hat, ist immer zu laut, pfuscht sich durch alles durch und schleimt bei den Professoren was das Zeug hält. Ich hab. natürlich trotzdem „Na klar“ gesagt und gleichzeitig eine Faust in der Tasche gemacht. Aber  dann ist mir durch den Kopf geschossen: „Du sollst nicht lügen.“

Das ist schwer. Denn nicht lügen heißt nicht nur, NICHT LÜGEN, es heißt auch, volle Pulle ehrlich sein - also  keine Entschuldigungen erfinden, sondern auch mal riskieren, dass man es eben nicht immer allen recht machen kann. Das ist echt nicht leicht! Ich erfinde oft Gründe, damit ich niemanden verletze, aber eigentlich verleugne ich mich damit selbst. Ich sage zum Beispiel öfter, dass ich nicht kommen kann, weil ich Kopfschmerzen habe. Viel ehrlicher wäre, wenn ich dann sagen würde, dass ich Zeit für mich brauche und den Abend alleine auf der Couch vergammeln möchte.

Wenn ich mit anderen darüber spreche, finden die das immer total logisch und verständlich und alle sagen, dass ich Recht habe. Das Blöde ist, es ist megaschwer das durchzuhalten und ich falle ganz häufig wieder in die alten Gewohnheiten, weil ich immer wieder Angst habe, dass mich jemand dann nicht mehr mag. Aber jedes Mal wenn ich ehrlich bin und merke, dass die anderen mich dann nicht scheiße oder blöd finden, dann  freue ich mich, und weiß, okay, aller Anfang ist schwer, aber ich bin auf dem richtigen Weg.

Sprecherin :  Alexa Christ

Audiobeitrag Du sollst nicht lügen


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