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Biblische Redensarten: A und O
Eine knifflige Arbeit: Der Teppichboden muss in dem verwinkelten Zimmer im Altbau verlegt werden. Da gibt es Ecken und schiefe Kanten.
Der Lehrling ist eine Weile damit beschäftigt. Als der Meister die Arbeit betrachtet, runzelt er die Stirn. Sein kritischer Blick lässt ahnen, was er jetzt gleich sagen wird: Sauber arbeiten, mein Junge, das ist bei uns das A und O! Der Auszubildende hat verstanden, dass er Pfusch abgeliefert hat. Er hat kapiert, dass er genau arbeiten soll, sonst gibt es Ärger. Aber was soll das mit dem A und O? A bis Z, das hätte er ja noch gekannt. Doch was haben A und O mit handwerklicher Qualität zu tun? Woran auch der Meister in diesem Moment sicher nicht gedacht hat: Die Redewendung vom A und vom O stammt aus der Bibel. Dort steht sie allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang. Am Ende der Bibel, im letzten Kapitel des letzten Buches, der Offenbarung, sagt Christus:
Sprecherin: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (Offenbarung 12,13)
A und O stehen für Alpha und Omega, den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets. Griechisch war zurzeit Jesu die Weltsprache, ähnlich wie heute das Englische. Die beiden Buchstaben Alpha und Omega umfassen alles, was sich mit Schriftzeichen sagen lässt, Sie umschließen also die menschliche Sprache mit all ihren Aussagen und Ausdrucksmöglichkeiten. Der Autor des Buches der Offenbarung, Johannes, hat Jesus Christus die Worte vom A und O in den Mund gelegt. Er zeichnet damit Jesus als einen, der das Alphabet der Weltgeschichte beherrscht. Als einen, der Maßstäbe setzt wie der Meister den Maßstab für die Qualität der Arbeit: Sauber arbeiten, das ist das A und O. Die Offenbarung war ein Trostbuch für die verfolgten Christen in Kleinasien. Sie hatten unter der römischen Herrschaft zu leiden. Macht und brutale Willkür setzten ihnen zu. Es wird nicht leichter, sagt Johannes, ihr habt weiterhin schwere Zeiten vor euch. Aber ihr seid nicht verlassen: Der Anfang und das Ende liegen bei Gott und Christus. Sie sind der Maßstab, nicht die Unterdrücker. Es wird endlich einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Ohne Leid und Tränen, ohne Hass und Gewalt.
Aber ist das nicht billige Vertröstung auf ein besseres Jenseits? Das hat man dem Christentum immer wieder vorgeworfen.
Sprecherin: [...] Das Eiapopeia vom Himmel, Womit man einlullt, wenn es greint, Das Volk, den großen Lümmel.
So schrieb Heinrich Heine vor 170 Jahren. Er hatte ein Christentum im Visier, das ungerechte Zustände als gottgegeben rechtfertigte. Eine Kirche, die den Graben zwischen Arm und Reich verteidigte oder gar vertiefte. Zahllose Menschen leiden auch heute unter Ungerechtigkeit und Gewalt. Dagegen steht bis heute die Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde. Es ist eine Hoffnung, die Kraft gibt. Kraft und Energie, sich jetzt gegen Unrecht einzusetzen, den Maßstäben Jesu zu folgen, nicht denen des Marktes und der Mächtigen. Das A und das O, der Anfang und das Ende der Weltgeschichte ist Christus. Er leidet mit den Leidenden. Er hat selbst gezeigt, dass ihm Schmerz, Leid und Elend nicht gleichgültig sind. Das gibt Trost und macht Mut und Zuversicht. Jetzt und im Blick auf den neuen Himmel und die neue Erde.
Solche Zuversicht wünscht Ihnen für den heutigen Tag. Andreas Duderstedt aus Bielefeld.
Biblische Redensarten: A und O
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