Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.09.12; Andreas Duderstedt

Biblische Redensarten: Perlen vor die Säue werfen

Der Redner sprach anschaulich und mitreißend. Seine umfassenden Kenntnisse brachte er unterhaltsam auf den Punkt, mit Witz und in geschliffener Sprache.

Dazu zeigte er hervorragende Fotos. Wer auch nur ein Fitzelchen Interesse hatte, konnte ihm mit Vergnügen zuhören.

Aber unter den Zuhörern waren einige, die sich offenbar für die gotische Baukunst Englands nicht im Geringsten interessierten. Einer gähnte vernehmlich, ein paar unterhielten sich ungeniert, einer las Zeitung.

Der Veranstalterin war es peinlich. Nach dem Referat bat sie den Kunsthistoriker um Entschuldigung und meinte, hier hätte er geradezu Perlen vor die Säue geworfen.
Diese Redewendung stammt aus der Bibel. Im Neuen Testament, in der Bergpredigt, warnt Jesus:

Sprecherin: Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf dass sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen. (Matthäus 7,6)

Das Heilige. Das, was die christliche Gemeinde von Gott bekommen hat. Was das Leben der Christinnen und Christen hält und trägt, das Evangelium – das soll nicht vor die Hunde gehen und nicht von den Säuen zertreten werden.

Aber ist es denn nicht an alle gerichtet? Soll nicht jeder von Gottes guter Botschaft erreicht werden? Verkündet sie von den Dächern, sagt Jesus doch auch zu seinen Jüngern. Also: Sprecht laut und öffentlich vom Heiligen, von Gottes Liebe! So, dass es alle hören!

Und nun das: Man soll das Heilige nicht den Hunden geben und keine Perlen vor die Säue werfen. Widerspricht sich das nicht?

Über den eigenen Glauben sprechen und damit andere zum Nachdenken bringen, vielleicht sogar überzeugen oder begeistern – das ist etwas Wunderbares. Doch Verstand und Gespür sollten dabei nicht außen vor bleiben. Klugheit und Menschenkenntnis sind gefragt. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber nichts hören will von dem, was mir viel bedeutet, wenn ich ihm vielleicht gar auf die Nerven gehe – dann halte ich mich lieber zurück.

Denn es geht um etwas Kostbares. Die befreiende Botschaft von Gottes Liebe ist ein Schatz, kein Ramsch, den man nachgeworfen bekommt. Wer dafür nur Verachtung übrig hat, hinter dem muss ich nicht verbissen her sein. Ich muss ihn nicht belämmern. Damit erreiche ich wahrscheinlich nur das Gegenteil. Damit erzeuge ich womöglich Wut, Aggression, die sich gegen mich richtet, vielleicht auch gegen das Christentum überhaupt.

Jesus braucht drastische Worte: Hunde und Säue. Mir steht es nicht zu, über die „Hunde“ und „Säue“ ein Urteil zu fällen. Ich bin nichts Besseres. Denn auch bei mir landet das Evangelium nicht immer direkt in Herz und Hand. Jesus drückt sich vielleicht so barsch aus, weil das Heilige immer auch bedroht ist. Ich will auf das achten, was mir heilig ist. Es nicht denen unter die Nase halten, die es verächtlich machen oder mit Häme betrachten. Und ich muss mich auch nicht damit quälen, dass manche Menschen für meinen Glauben nur Verachtung übrig haben. Es ist entlastend, dass ihr Glaube nicht von mir abhängt. Es ist befreiend, manches einfach nur Gott überlassen zu können.

Dass Sie heute auf das achten, was Ihnen heilig ist, wünscht Ihnen Andreas Duderstedt aus Bielefeld

Audiobeitrag Biblische Redensarten: Perlen vor die Säue werfen


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