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Biblische Redensarten: Im Dunkeln tappen
Eine Serie von Einbrüchen beunruhigt die ganze Stadt. Am helllichten Tag geschehen die dreisten Verbrechen, immer nach ähnlichem Muster.
Die Diebe rufen in den Häusern an, die sie im Visier haben. So überzeugen sie sich, dass niemand daheim ist. Dann hebeln sie Fenster oder Terrassentüren auf. Sie lassen Geld mitgehen und alles, was sich zu Geld machen lässt. Spuren hinterlassen sie kaum. Offenbar gehen diese Einbrecher systematisch, blitzschnell und routiniert vor. Nachbarn, als Zeugen befragt, haben nie etwas bemerkt. In der Zeitung steht zum wiederholten Male: Die Polizei tappt im Dunkeln. Die Redewendung wird heute hauptsächlich im kriminalistischen Bereich angewandt. Sie stammt aus der Bibel. Dort heißt es im 5. Buch Mose:
Sprecherin: Der HERR wird dich schlagen mit Wahnsinn, Blindheit und Verwirrung des Geistes. Und du wirst tappen am Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln, und wirst auf deinem Wege kein Glück haben und wirst Gewalt und Unrecht leiden müssen dein Leben lang und niemand wird dir helfen. (5. Mose 28,28-29)
Das steht in einer langen Rede von Segen und Fluch. Das Volk Israel ist nach vierzigjähriger Wanderung durch die Wüste kurz vor dem Ziel: an der Grenze zum Land Kanaan, das Gott ihm versprochen hat. Mose, der sein Volk durch die Wüste geführt hat, nimmt Abschied: Es ist der letzte Tag seines Lebens. Als Vermächtnis gibt er dem Volk Israel die eindringliche Ermahnung, immer seinem Gott die Treue zu halten. Er schildert anschaulich den Segen, der daraus erwächst. Es ist ein kräftiger, ein handfester Segen, der sich in bürgerlichem Wohlstand und politischer Sicherheit ausdrückt. Und dann folgt, spiegelbildlich verkehrt, der Fluch als Folge für Ungehorsam: Wer nicht auf Gottes Wort hört, wer seine Gebote missachtet, dem wird es übel ergehen. Krankheiten, Not und Schande werden ihn ereilen. Er wird im Dunkeln tappen. Dem Guten geht es gut, dem Schlechten geht es schlecht? Wenn es so einfach wäre. Dass die Wirklichkeit oft anders aussieht, weiß die Bibel auch. An anderer Stelle zum Beispiel klagt einer über das offensichtliche Wohlergehen der Gottlosen:
Sprecherin: Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt. (Psalm 73,4-5)
So heißt es im 73. Psalm. Durch alle Zeiten hindurch scheint die Lebenserfahrung das zu bestätigen: Frechheit siegt. Der Ehrliche ist der Dumme. Fett schwimmt oben. Als Christ habe ich keine Gewähr für ein erfolgreiches Leben. Mein Glaube und meine Anständigkeit sind keine Garantie dafür, dass mir Leid und Not erspart bleiben. Im Dunkeln tappen das hat der christliche Liederdichter Nikolaus Herman in einem Abendlied so aufgegriffen:
Sprecherin: Leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, lass uns im Finstern tappen nicht.
Auf dieses Licht vertraue ich. Auch dann, wenn ich im Dunkeln tappe. Es kann mir Angst nehmen und Gelassenheit und Zuversicht geben. Dieses Licht, in allem, was der heutige Tag auch bringen mag, wünscht Ihnen Andreas Duderstedt aus Bielefeld
Biblische Redensarten: Im Dunkeln tappen
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