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Biblische Redensarten: Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut
Herr Müller will einen anderen Wasserhahn in der Küche. Den jetzigen fand er schon immer etwas unpraktisch, außerdem funktioniert er sowieso nicht mehr richtig.
Herr Müller besorgt sich im Baumarkt ein neues Modell und beauftragt einen Klempner mit der Montage. Alles ist besprochen, die Kosten sind geklärt, ein Termin vereinbart. Doch am festgelegten Tag zeigt sich kein Klempner. Dafür erlebt Herr Müller etwas später eine unangenehme Überraschung, als er abends nach Hause kommt: In seiner Küche glänzt zwar ein neuer Wasserhahn, aber es ist dasselbe Modell wie bisher. Und eine saftige Rechnung, viel höher als besprochen, liegt auch gleich daneben. Die freundliche Nachbarin hatte dem Monteur die Wohnung aufgeschlossen.
Als Herr Müller sich bei der Klempnerfirma meldet, erklärt man ihm: Der betreffende Kollege ist in Urlaub. Und da wollte man ihn nicht so lange warten lassen. Ärgerlich erwidert der Kunde: In Ihrem Laden weiß ja wohl die linke Hand nicht, was die rechte tut!
Herr Müller hat eine Redewendung gebraucht, die aus der Bibel stammt. Dort steht sie in ganz anderem Zusammenhang. Jesus fordert seine Zuhörer auf:
Sprecherin: Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun (
), damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. (Matthäus 6,1-4)
Wer etwas Gutes getan hat, möchte Anerkennung dafür. Das ist menschlich. Jesus weiß offenbar um dieses menschliche Bedürfnis. Er leugnet es nicht, im Gegenteil: Er spricht ausdrücklich von Lohn für eine gute Tat. Aber er warnt deutlich vor den Auswüchsen. Er warnt davor, mit seiner guten Tat zu protzen. Die Heuchler, sagt er, benutzen ihr vorbildliches Handeln zu eitler Selbstdarstellung.
Das gibt es übrigens auch mit umgekehrtem Vorzeichen. Ich kenne auch eine christliche Bescheidenheit, die ganz unübersehbar und plakativ bescheiden daherkommt. So dass ich mich frage, ob nicht auch hier Eitelkeit im Spiel ist und der Wunsch, hierfür gelobt zu werden...
Weder das eine noch das andere ist nötig. Ich muss nicht auf Beifall schielen, wenn ich Geld an Brot für die Welt überweise. Ich muss ebenso wenig meine Bescheidenheit ins Schaufenster stellen. Ich habe es nicht nötig, auf ein Konto im Himmel zu spekulieren. Von solch kleinlich berechnender Haltung hat mich Gott längst befreit. Dafür bin ich dankbar. Und weil ich dankbar bin, kann meine rechte Hand gerne und von Herzen helfen, ohne dass die linke es merkt.
Diese Dankbarkeit wünscht Ihnen heute Andreas Duderstedt aus Bielefeld
Biblische Redensarten: Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut
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