Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.09.12; Andreas Duderstedt

Biblische Redensarten: Da kräht kein Hahn danach

Noch vor wenigen Jahren war sein Name in aller Munde. Täglich tauchte er in den Medien auf, jeder kannte sein Bild.

Durch eine Fernsehshow war er berühmt geworden – ein Superstar. Später verpasste er sich ein neues Image. Bis heute macht er weiterhin Musik. Aber es ist still geworden um Daniel Küblböck. Es kräht kein Hahn mehr nach ihm.

Als „Momo“ war sie ein Star. Die Kleine mit den großen dunklen Augen und dem Wuschelhaar – sie schien die ideale Besetzung für das Mädchen, das sich den Zeitdieben in den Weg stellt und die Welt ein bisschen menschlicher macht. Viele sagten Radost Bokel eine große Schauspielkarriere voraus. „Groß wurde sie, aber die Rollen nicht“, spottete eine Zeitung, die sie einst gefeiert hatte. Heute kräht kein Hahn mehr nach ihr.

Das Showgeschäft ist hart und gnadenlos. Es führt zu tiefen Enttäuschungen. Die Redewendung vom Hahn, der nicht mehr danach kräht, hat ursprünglich auch mit einer Enttäuschung zu tun. Mit einer Selbsttäuschung. Davon berichtet die Bibel:

Sprecherin: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

So sagt Jesus zu Petrus, der ihm Treue versprochen hat. Petrus beteuert und schwört noch einmal seine unbedingte Treue – bis in den Tod. Doch wenig später kommt er in eine brenzlige Situation. Wenn er jetzt ehrlich auf die Frage antwortet: Bist du nicht einer von diesen Leuten um Jesus?, kann das sein Leben kosten. Er beteuert und schwört:

Sprecherin: Ich kenne diesen Menschen, diesen Jesus, nicht.

Dreimal. Dann kräht der Hahn, und plötzlich wird Petrus bewusst, was er getan hat:

Sprecherin: Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Der Hahn kräht nach einem furchtbaren menschlichen Versagen. Das ist damals wie heute Stoff, sich das Maul darüber zu zerreißen. Geschichten von Verrat und Schuld, die sind Stoff für den Klatsch auf den Plätzen und in den Boulevardzeitungen. Da kräht jeder Hahn danach. Petrus hat sich eben noch mit großen Worten zu seinem Herrn und Meister bekannt. Und nun das. Petrus, der Gefühlsmensch, hat versagt. Er erkennt sein Versagen und ist verzweifelt.

Mich hat diese Geschichte schon immer berührt. Der Fehltritt des Petrus ist so ungeheuerlich und doch so menschlich wie sein bitteres Weinen danach. Und so einen nimmt Jesus als Führungspersönlichkeit. Ihn wählt er als Ausgangspunkt für seine Gemeinde, seine Kirche, und vertraut ihm die Schlüssel des Himmelreichs an.

Es ist kein strahlender Held, dem Jesus hohe Verantwortung überträgt. Es ist einer, der zu großen Sprüchen neigt und Schuld auf sich lädt. Am Ende steht er kläglich da.
Gerade nach so einem kräht der Hahn. Jesus selbst setzt diesen Mann trotz seines Versagens in Szene, rückt ihn an die Spitze. Für mich heißt das: Ganz gleich, ob nach mir in der Öffentlichkeit noch ein Hahn kräht oder nicht: In der Gemeinschaft der Christinnen und Christen kräht der Hahn nach jedem und jeder einzelnen von uns – ganz gleich ob ich schwach bin oder ein Verräter, ängstlich oder aufbrausend oder was ich sonst an Macken habe. Denn Gott sieht alle seine Kinder gern an und führt sie vom Dunkeln ins Licht. Deshalb kann ich ganz gelassen sein, wenn in der Regenbogenpresse kein Hahn nach mir kräht. Das habe ich auch gar nicht nötig.

Solche Gelassenheit wünscht Ihnen heute Andreas Duderstedt aus Bielefeld

Audiobeitrag Biblische Redensarten: Da kräht kein Hahn danach


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