Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.09.12; Pfarrerin Daniela Kirschkowski

Nachbarn

Hab ich die Kaffeemaschine ausgemacht? Ach, Mensch! Und meine Mutter wollte ich doch auch noch kurz anrufen, bevor ich fahre. Das gibt es doch gar nicht!

Wieso fällt mir das immer erst im Auto ein?!  Zurückfahren? Klappt nicht mehr. Dann komme ich zu spät. Und meine Nachbarn denken doch auch schon, ich hab sie nicht mehr alle, wenn ich schon wieder nochmal vorfahre.

Liebe Hörerin, lieber Hörer, das ist jetzt schon das dritte Mal diese Woche. Aber gestern ging es wirklich nicht anders. Ich brauchte unbedingt diese Mappe. Und ich hatte sie ja auch schon extra an die Tür gelegt. Aber irgendwie... ich weiß auch nicht. Ich krieg das einfach nicht hin.

Heute also schon wieder. Ich kann jetzt nicht zurückfahren! Mutter muss warten. Aber das mit der Kaffeemaschine macht mir schon Sorgen. Hach, verflixt! Ob ich mal die Nachbarin anrufe? Sie hat ja extra meinen Schlüssel, falls mal was ist. Genau, das mache ich gleich, wenn ich angekommen bin.

Was wäre die Welt ohne Nachbarn? Na gut, in manchen Fällen sicher eine bessere. Aber meistens ist es ja anders. Und ich meine so richtige Nachbarn: Solche die man kennt, die man gerne grüßt. Wo man gerne am Gartenzaun stehen bleibt und einen kurzen Plausch hält. Solche bei denen man weiß: Es ist kein Problem, wenn ich mal was vergessen habe. Eine Tasse Mehl oder eine Tüte Milch – da hilft man sich aus und es ist selbstverständlich.

Ich wohne in einer kleinen Siedlung und hier gibt es sie noch: Gute Nachbarschaft. Gott sei Dank!  Denn ohne Nachbarn geht es nicht. Ich bin auf sie angewiesen, nicht nur, wenn ich mal was vergessen habe.  Ohne meine Nachbarn könnte ich zum Beispiel keinen Urlaub machen. Denn was mache ich dann mit meiner Katze? Sie kann nicht mit, sie braucht jemanden Zuhause. Jemanden, der sich kümmert, sie füttert und auch mal streichelt.

Ja, ich weiß: Das ist sicher ganz schön viel. Aber was soll ich machen? Sie ist halt sehr anhänglich, unsere kleine Miez. Zwischendurch mag sie auch mal gerne raus, ihren täglichen Rundgang machen, durch alle Gärten streichen. Und zum Glück hat hier niemand etwas dagegen, ganz im Gegenteil: Ihre Eigenschaften als Mäusejäger sind gern gesehen.

Und als ich kürzlich aus dem Urlaub kam, berichtete die Nachbarin fröhlich über ihre Begegnungen mit der kleinen Jägerin. Fast zwei Wochen lang hat sie sich liebevoll um sie gekümmert. „Wir hatten immer unser Ritual“, erzählt sie. „Morgens ging sie raus und abends wartete sie auf der Terrasse auf mich. Dann gab es Leckerchen, ein paar Streicheleinheiten und sie ging wieder rein.“

Ich war ihr so dankbar. Und ich kann Ihnen kaum sagen, wie froh ich bin, dass es solche Menschen gibt. Und wie traurig ich bin, weil ich weiß, dass es auch so oft anders ist. Viele  wissen gar nicht mehr wie ihre Nachbarn überhaupt heißen. Menschen treten aus ihrer Haustür und niemand fragt sie wie es ihnen geht. Man tut nur noch das seine, alles bleibt in der Familie.

Dabei heißt es schon in der Bibel: „Wenn du in Schwierigkeiten bist, lauf nicht gleich zum Haus deines Bruders. Der Nachbar nebenan kann dir besser helfen als der Bruder in der Ferne.“ (Sprüche 27,10, Gute Nachricht)

Falls Sie auch einen Nachbarn oder eine Nachbarin haben: Grüßen Sie sie herzlich von mir. Sagen sie ihnen: Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Sonntag und hoffe, es geht Ihnen gut.

Ihre Daniela Kirschkowski, Pfarrerin in Marl

Audiobeitrag Nachbarn


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