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Sri Lanka - fünf Tage des Schreckens
Autorin: Für manche Menschen entscheidet sich in nur wenigen Tagen gelegentlich sogar in Augenblicken - ihr ganzes Leben:
ein Autounfall, eine unbezwingbare Krankheit, der Tod eines geliebten Menschen. Zumeist geschieht das unspektakulär und im Verborgenen. Schicksalhafte Weichenstellungen wie bei dem jungen Tamilen Antony Sathish aus Sri Lanka etwa. Während des Bürgerkrieges dort wurde der damals 18-Jährige auf dem Schulweg von Soldaten verschleppt.
O-Ton: Sie nahmen mich gefangen und sagten, ich wäre Terrorist. Sie haben mich in ihr Camp gebracht und furchtbar gefoltert. Damals wurden viele junge Leute getötet, sie wurden erschossen oder mit brennenden Autoreifen umgebracht. Jede Nacht zwei oder drei Leute, dann lagen sie morgens verbrannt auf der Straße. In dieser Situation wurde ich verhaftet.
Autorin: Sri Lanka Anfang der 90er Jahre. Die Perle des Indischen Ozeans, wie die Tropeninsel im Tourismus gerne genannt wird, war zerrissen. Im Norden und Osten tobte ein Bürgerkrieg zwischen der tamilischen Autonomiebewegung Tamil Tigers (LTTE) und der singhalesischen Armee. Bis zum Ende des Krieges vor jetzt drei Jahren kostete er mehr als 100.000 Tote. Als Antony Sathish 1991 verhaftet wird, sind die Kämpfe auf dem Höhepunkt und werden mit äußerster Brutalität geführt.
O-Ton: In einer Nacht haben sie mich mitgenommen und in eine leere Tonne gesteckt. Dann haben sie getrunken und getanzt und die Tonne als Trommel benutzt die ganze Nacht war ich da drin.
Autorin: Jeden Morgen sucht der Vater unter den verkohlten Leichen nach seinem Sohn. Die Camps sind berüchtigt, kaum jemand kommt hier lebend raus. Für Sathish jedoch geschieht ein Wunder, von dem er auch heute, 20 Jahre später kaum erzählen kann, ohne die Stimme zu verlieren.
O-Ton: Während ich gefoltert wurde dachte ich: Jetzt ist mein Leben zu Ende. Mir blieb nur noch mit Gott zu reden. Ich habe mich hingekniet und gebetet. Ein sehr kurzes Gebet: Gott, wenn du mich gebrauchen willst, dann mach, dass ich frei komme. Wenn du das tust, will ich mein Leben für dich leben. Das war mein kleines Gebet. Autorin: Ein Gebet in größter Verzweiflung, das die Weichen für sein Leben stellte. Nach fünf Tagen kam Sathish frei. Er studierte Theologie und wurde Pfarrer der methodistischen Kirche. Auch wenn er vorher nur Weihnachten zur Kirche ging und eigentlich Anwalt werden wollte.
Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, heißt es im biblischen Vers für den Monat Juni, für Sathish ein Schlüsseltext. Denn das Versprechen von damals sieht der 40-Jährige heute als seine Berufung und sein Lebensglück. Er arbeitete lange als Pfarrer mitten im Kriegsgebiet. und bis heute engagiert er sich für die Versöhnung zwischen den verfeindeten ethnischen Gruppen. O-Ton: Versöhnung ist enorm wichtig in dieser Nachkriegszeit. Aber ich bin überzeugt, dass die Menschen in diesem Prozess auch ihre Fehler erkennen müssen. Beides ist wichtig: Wer schuldig geworden ist, muss bereit sein, um Vergebung zu bitten. Und wer das Opfer war, muss bereit sein zu vergeben.
Sri Lanka - fünf Tage des Schreckens
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