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Die Paralympics: Rainer Schmidt
O-Ton: Manchmal wird den behinderten Leistungssportlern vorgeworfen, die stürzen sich so in den Sport, weil sie ja sonst von dem Alltag so frustriert sind.
Autorin: erzählt Rainer Schmidt - der Mann ohne Arme und mit nur einem Bein mehrfacher Olympiasieger bei den paralympischen Spielen in Tischtennis.
O-Ton: Ich habe mit 12 Jahren angefangen, Tischtennis zu spielen und dachte noch überhaupt nicht an Medaillen und an Leistungssport, aber einfach mit einem an den Arm gebundenen Schläger die Bälle zu treffen und zu merken ich werde langsam besser, das war ein großartiges Gefühl.
Autorin: Der 47-jährige Pfarrer ist behindert seine Mutter hatte zu Beginn der Schwangerschaft eine äußerst seltene Stoffwechselerkrankung. Deshalb hat ihr Sohn nur ganz, ganz kurze Arme, keine Hände und nur ein Bein.
O-Ton: Ich habe ja oft in meinem Leben auch die gegenteilige Erfahrung gemacht: Ich Kann nicht so gut Volleyballspielen, ich kann nicht Klavier spielen, ich kann ganz viele Dinge nicht und plötzlich habe ich was entdeckt, was ich richtig gut konnte vermutlich habe ich deshalb auch wie ein Verrückter Tischtennis gespielt.
Autorin: Heute weiß Rainer Schmidt:
O-Ton: Alle Menschen haben Grenzen, alle Menschen haben Begabungen, da gibt es keinen Unterschied.
Autorin: Und er weiß, wie wichtig es ist, sich erst einmal, um seine Stärken zu kümmern:
O-Ton: Das macht den Menschen stark und wenn man so eine innere Stärke, Selbstwertgefühl hat, dann kann man sich auch mit den Schwächen und Grenzen auseinandersetzen.
Autorin: Seine Grenzen zu akzeptieren, ist ein hartes Stück Arbeit. Rainer Schmidt hat sich aber stets begleitet gefühlt:
O-Ton: Ich bin tatsächlich in dem Bewusstsein groß geworden, dass Gott an meiner Seite ist, wie meine Eltern an meiner Seite sind oder meine Familie oder meine Freunde und zwar nicht dergestalt, dass der alle Probleme aus der Welt räumt, sondern mich dabei unterstützt das Leben zu führen, aber auch von mir sozusagen ein redliches Leben zu verlangen.
Autorin: Sich von Gott begleitet zu fühlen und trotzdem auch an ihm zu zweifeln, an seiner Allmacht, das war etwas, was ihm als Kind und Jugendlicher vertraut war: Heute versteht er die Allmacht Gottes als Gottes Macht, alle Menschen zu lieben. Und diese Liebe verändert:
O-Ton: Ja, ich glaube, dass die größte Macht, die einen Menschen überhaupt verändern kann, ist tatsächlich die Zuneigung, die Liebe ist oder die bedingungslose Unterstützung. Deswegen glaube ich, dass Gottes Macht tatsächlich den Menschen verändern soll, damit wir unsere Macht einsetzen, diese Welt zu gestalten.
Autorin: Sein Lebensmotto stammt von seinem Bruder. Als sie als Kinder unterwegs waren, blieben Passanten stehen, guckten und kommentierten Reiners kurzen Arme folgendermaßen:
O-Ton: Ach, guck mal der arme Junge. Und mein Bruder fand das gar nicht und stellte sich dann vor den Mann, der das sagte und sagte: Der ist nicht arm dran, der hat nur Arm ab. Und das habe ich zu meinem Lebensmotto gemacht. Lieber arm dran, als Arm ab.
Autorin: Was für ihn die Paralympics so spannend macht, ist neben der Begegnung mit Menschen aus aller Welt, die Erfahrung von Sieg oder Niederlage. Was ist wenn ich verliere, wer hält noch zu mir, wie wichtig ist Erfolg in meinem Leben und was, wenn ich versage:
O-Ton: Deswegen finde ich die Paralympics oder diese krassen Stresserfahrungen, die man dort macht, ob Freud oder Leid, hat immer auch ein bisschen was mit Seelsorge zu tun.
Autorin: Deshalb werden auch die deutschen Athleten von einem katholischen und einem evangelischen Seelsorger begleitet. Sie stehen zur Verfügung für eben diese Gespräche in Krisenzeiten. Im Schatten der Paralympics.
Die Paralympics: Rainer Schmidt
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