Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.09.12; Manfred Rütten

Kreuze am Straßenrand

Sie stehen an Straßenkreuzungen, in Kurven und manchmal auch an der Autobahn: Kreuze, die an Menschen erinnern, die an genau dieser Stelle bei einem Unfall

ums Leben gekommen sind. Eine Schulklasse hat sich im Religionsunterricht mit diesen Kreuzen beschäftigt. Die Jugendlichen wollten mehr über die Opfer erfahren und haben deshalb zahlreiche Kreuze am Straßenrand besucht. Mit dabei war auch Larissa:

O-Ton: Es war halt schon irgendwie komisch, weil wir waren auch bei einem, das ist erst  richtig frisch gewesen, das hat man noch gesehen in dem Baum war die Rinde noch so abgeritzt und dann war das Auto noch im Graben, das war halt schon schlimm.

Sprecher: Für die Klasse waren das sehr bewegende Momente, denn viele Kreuze am Straßenrand erinnern gerade an junge Autofahrer. Wie an den 20jährigen Markus. Er war mit zwei Freundinnen unterwegs, sie waren gerade erst losgefahren, da passierte der Unfall. Nur die Fahrerin überlebte, erfuhren die Schüler von Markus´ Eltern.

O-Ton: Ich fand´s halt am Anfang nicht so gut zu den Leuten hinzugehen und die auszufragen, wie und was da passiert ist, aber ich hab dann halt auch mitten im Gespräch gemerkt, dass es den Leuten auch gut tut, darüber zu reden und dass sie es auch möchten.

Sprecher: So war das auch bei Markus´ Eltern. In ihrem Haus hängen immer noch viele Bilder von ihrem Sohn. Im Keller stehen die Kartons mit seinen Sachen, so als würde er gerade ausziehen.

O-Ton: Ich fand halt jedes Gespräch war halt einzeln schon was besonderes, was man sich jetzt auch merkt – ich glaub nicht, dass ich irgendein Gespräch von denen jetzt irgendwann mal vergessen werde.

Sprecher: Ihre Erfahrungen haben die Schüler zusammen mit ihrem Lehrer Pfarrer Henning Schröder in einem Buch festgehalten. Ein Schüler schreibt darin als Fazit: "Ich gehe jetzt  nicht mehr aus dem Haus, ohne richtig Tschüss zu sagen."

Sprecher: Daniel Schneider


INFO / BUCHTIPPS:
Pro Jahr sterben allein in Deutschland etwa 6.000 Menschen im Straßenverkehr. Immer mehr Hinterbliebene stellen am Unglücksort ein Kreuz auf, um hier zu trauern, an den Toten zu erinnern und um Vorbeifahrende zu ermahnen. Von den städtischen Ordnungsämtern oder den Autobahn- und Straßenmeistereien werden diese Gedenkstätten in der Regel aus Pietätsgründen geduldet – insbesondere dann, wenn durch frische Blumen oder andere Pflegemaßnahmen ersichtlich ist, dass die Stätte nach wie vor besucht wird.


Die in unserem Beitrag vorgestellte Schülerarbeit der 10. Klasse der der Adolf-Reichwein-Schule in Rodenbach (Hessen) ist Ende Januar 2012 als Buch erschienen:

Henning Schröder (Hrsg.)
"Durchkreuztes Leben. Gedenkstätten am Straßenrand"
Verlag Books on Demand 2012, 44 Seiten, Preis: 5,80 Euro

Audiobeitrag Kreuze am Straßenrand


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