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Woran Promis glauben: Roger Willemsen
O-Ton: Ich bin richtig konfirmiert worden und ich bin relativ bibelfest und ich habe wirklich so eine tiefe Kinderfrömmigkeit gehabt.
Und irgendwann war der Weg für mich der der Rationalisierung zu sagen ich muss mich davon lösen. (...) Und hab immer eher das Gefühl, ich beneide die Leute, die glauben können, weil sie so ne Form von Schutz auch haben.
Autor: Der Schriftsteller, Literaturkritiker und Fernsehmoderator Roger Willemsen über seine ganz persönliche Glaubensgeschichte. Als junger Mensch habe er den Glauben an Gott verloren und seitdem nie richtig wiedergefunden. Der Kirche fühlt er sich nach wie vor verbunden, vor allem über christliche Werte wie die Bewahrung der Schöpfung.
O-Ton: Ich bin an keinem Ende der Welt gewesen ohne nicht zu sehen, wie Schöpfung sich zurückzieht wie sie zerstört wird, wie sie aus Menschen gemachten Ursachen zernichtet wird. Und darauf Antworten zu finden, permanent bei jedem Blick in die Zeitung bei jedem Sehen der Tagesschau, das ist eine Aufgabe die sich jedem halbwegs mündigen Menschen stellt.
Autor: Sein berufliches Engagement sieht Roger Willemsen deshalb vor allem als ein politisches.
O-Ton: Wenn man schon mal die Möglichkeit hat Sprache zu verleihen, also auch zu sagen ich interviewe Guantanamo-Häftlinge und will wissen was passiert in diesem Lager und ich bringe diese Sprache in die Öffentlichkeit, dann soll man von diesem Privileg Gebrauch machen und nicht nur in eigener Sache reden.
Autor: 2006 erschien sein Buch Hier spricht Guantanamo, in dem er ehemalige Gefangene über die Haftumstände im Lager befragte. Seit einigen Jahren ist Willemsen in Afghanistan aktiv, als Botschafter für mehrere Hilfsorganisationen. Er glaubt an die Veränderung von unten.
O-Ton: Heute befriedigt mich das Bohren von Brunnen und das Bauen von Schulen in Afghanistan, weil ich unmittelbar die Gesichter der Frauen - meistens - vor mir sehe und der Mädchen, die plötzlich Zugang zur Bildung haben, zur Politik, die Journalistinnen werden, die wir ausbilden und die zum ersten Mal als Ärztinnen wieder an einem Krankenbett stehen können. Das ist ein sehr bescheidener kleiner Zyklus, aber ein sehr glücklicher.
Autor: Glück und Unglück - das sind Themen die Roger Willemsen auch literarisch interessieren. Er hat ein Kinderbuch geschrieben über Hiob - den Mann aus der Bibel, der so viel Unglück ertragen muss. Was gibt Menschen Trost, wenn ihnen das Glück abhandenkommt?
O-Ton: In der Bibel wird dieser Trost durch Gottesglaube artikuliert, in meinem Text wird er eher durch eine unzerstörbare Lebensfreude, auch eine Bereitschaft für andere da zu sein artikuliert. Und ich glaube, solche Urstoffe wie Hiob kann man und muss man fast immer neu erzählen, um sie auch gewissermaßen auf den neuesten Stand zu bringen.
Autor: In Willemsens Buch ist es der Zirkusdirektor Hopp: Seine Tiere sterben, seine Frau und seine Söhne verlassen ihn, Herr Hopp wird krank. Aber er gibt sein Leben nicht auf.
O-Ton: Man kann Unglück nicht verhindern, aber man kann seine Haltung zu ihm verändern. Und insofern ist die Frage, welches Recht ich dem Unglück einräume, mein Leben zu deformieren. Also ich interessiere mich für die Aufbaukräfte, für das Heilsame, für die Lehren aus dem Unglück fast stärker als für das Unglück selber.
Woran Promis glauben: Roger Willemsen
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