Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.08.12; Pfarrerin Claudia Kiehn

Lieber Gott, viel Spaß!

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer, „Lieber Gott, viel Spaß!“, mit diesem freundlichen Wunsch an Gott nahm der Art Directors Club Deutschland (ADC)

in einer ganzseitigen Traueranzeige Abschied von Vicco von Bülow – viel besser noch bekannt als Loriot.

Heute vor einem Jahr starb der Komiker, Schauspieler, Regisseur, Karikaturist und Autor im Alter von 87 Jahren an Altersschwäche. „Lieber Gott, viel Spaß!“ mit diesen Worten würdigten die Mitglieder des Art Directors Club in besonderem Maße Loriots Humor. Seine enorme Begabung, unsere menschlichen Verhaltensweisen haargenau wahrzunehmen und uns messerscharf den Spiegel vorzuhalten ohne dabei je zu verletzen. Gemeinsam mit seiner beruflichen Partnerin Evelyn Hamann setzte er alltägliche Situationen tiefsinnig und mit Leichtigkeit in Szene. Und wir – wir waren eingeladen, über uns selbst zu lachen: Egal, ob es um das Jodeldiplom ging oder um die Nudel, die im Gesicht umherwanderte oder um Paarbeziehungen. Da fielen dann vorwurfsvolle Sätze wie „Das Ei ist hart“ und „Ihr Hund kann gar nicht sprechen!“ In der Komödie „Papa ante portas“ zeigte uns der Komiker, wie schrecklich es für Familienangehörige sein kann, wenn das Familienoberhaupt in den Vorruhestand geht. Kaum jemand, dem wohl nicht einzelne Filmsequenzen, Dialoge, Sätze oder Zeichnungen einfallen, mit denen Vicco von Bülow alias Loriot uns beschenkt hat...

Da verstirbt also dieser brillante Humorist, und man würdigt ihn mit den ebenso schlichten wie alles beinhaltenden Worten „Lieber Gott, viel Spaß!!“ Leider konnte offenbar nicht jeder über diese Worte schmunzeln und sich mitfreuen. Für manche Menschen war diese Traueranzeige geradezu gotteslästerlich. Andere hielten sie für genial.

Auf mein Gesicht hat diese Anzeige ein breites Lächeln gezaubert. Denn: Ich weiß natürlich auch nicht, wie das konkret alles sein wird, nach meinem Tod. Ich kann nicht genau sagen, wie es im Reich Gottes sein wird. Ich kann auch kein klares Bild davon zeichnen, wie es genau aussehen wird, in dem von Gott versprochenen neuen Himmel und der neuen Erde (Jesaja 65,17).

Aber natürlich habe ich Vorstellungen davon, wie es sein wird, wenn ich zurückkehre in die liebevollen Arme dessen, der mich geschaffen hat. Ich denke, dass ich willkommen sein werde mit meinen Fehlern und Schwächen. Dafür ist Gott schließlich Mensch geworden und hat unter uns Menschen gelebt. Und ich vermute, dass ich willkommen sein werde mit dem, was mich besonders auszeichnet. Mit meinen Fähigkeiten und Begabungen, mit meinen Talenten. Denn die sind schließlich Gottesgeschenke.

Jede und jeder ist beschenkt mit solchen besonderen Talenten, auch wenn nicht alle damit so bekannt und beliebt werden wie Loriot. Es ist klug, diese von Gott geschenkten Fähigkeiten zu pflegen und zu hegen, mit ihnen zu wuchern und sie zum Wohle der Mitmenschen einzusetzen. Vicco von Bülow war zweifellos mit einem besonderen Humor gesegnet. Er hat ihn segensreich eingesetzt und viele Menschen zum Lachen gebracht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Loriot seine besondere Begabung gewissermaßen „abgeben“ musste, bevor er seinem Schöpfer entgegentreten durfte. Warum also soll nicht auch Gott Spaß an Loriots Humor haben?

Wer könnte unsere je eigenen Talente und besonderen Fähigkeiten besser kennen als Gott? Wer sollte sich an ihnen mehr erfreuen als er? Darum - ob wir nun als exzellenter Humorist versterben oder als zugewandte Ärztin, als begnadeter Koch, liebevoller Vater oder engagierte Lehrerin – sollten wir Gott im Schein seiner Liebe nicht eigentlich immer viel Spaß mit uns wünschen? Ich finde schon!

Viel Spaß für den heutigen Tag und alle Tage wünscht Ihnen Claudia Kiehn, Pfarrerin aus Wuppertal!

Audiobeitrag Lieber Gott, viel Spaß!


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