Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.08.12; Maike Siebold

Der Durchbruch

„Ständig hat er gesagt, mach doch etwas Gescheites.“, erzählt Nele Neuhaus.

Er, ist ihr Ehemann, der genauso wie ihre Freunde ihre Startversuche als Autorin skeptisch beobachteten. Sie wollten ihr ersparen, dass sie möglicher weise enttäuscht wird. Als die  Verlage ihre Manuskripte ablehnten, brachte Nele Neuhaus ihre ersten Bücher selbst auf den Markt und machte für sich Werbung: putzte Klinken  bei Buchhändlern, entwickelte ihre eigene Webseite und machte/ hielt  Lesungen -  manchmal vor wenigen Leuten. Ihre ersten Bücher  hat sie  in der Fleischfabrik ihres Mannes verkauft. „Wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man sein Glück selbst in die Hand nehmen, hart arbeiten, Rückschläge riskieren und Chancen nutzen.“, meint Nele Neuhaus.

Wer wie sie hartnäckig ist, wird oft belohnt. Irgendwann entdeckte der Ullstein-Verlag, wie gut  sich ihr Krimi in einer Buchhandlung im Taunus verkaufte und machte ihr ein Angebot. „Unter Haien“ schaffte es binnen kürzester Zeit auf Platz eins der "Spiegel"-Bestsellerliste. Mittlerweile erreichen ihre Taunuskrimis eine Gesamtauflage von mehr als zwei Millionen, die Rechte verkauften sich in 20 Länder, die Geschichten werden verfilmt. Nele Neuhaus hat den Durchbruch als anerkannte Krimi-Autorin geschafft.

Ob Wände oder Berge, ob in Verhandlungen, bei DSDS oder in Karrieren – immer geht es darum, einen Durchbruch zu erzielen. Ob Durchbrüche in der Medizin in den Künsten oder in der Politik - Durchbrüche gibt es viele  bedeutende. Nicht immer werden sie als angenehm erlebt. Wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, der Blinddarm durchbricht oder der Fußknöchel, sind die Durchbrüche eher unangenehm bis sehr schmerzhaft. Doch meistens stehen sie in einem positiven Zusammenhang, sind  verbunden  mit  Gefühlen wie  Glück oder  Triumph: bei Friedens-verhandlungen,  bei der Entwicklung eines neuen Medikaments,  einem Rekord im Sport. Jeder von uns kämpft mit den eigenen Durchbrüchen. Wir wollen nicht stehen bleiben, sondern die Sache  weiter vorantreiben: die Realisierung unserer Träume.  Immer wieder ist es die eigene Angst, die wir dabei durchbrechen müssen. Hilflos stehen wir dann wie vor einer unüberwindbaren Mauer.

Mit meinem Gott kann ich Wälle zerschlagen, mit meinem Gott über Mauern springen verspricht der Beter in einem der Psalmen (Ps 18). Was menschlich gesehen unmöglich ist, ist bei und mit Gott möglich. Doch Gott springt nicht für uns, sondern mit uns. Wir müssen schon selbst Anlauf nehmen. Das Wort „Anlauf“ hat im Lateinischen die Bedeutung „Aggressio“. Davon leitet sich das Wort „Aggression“ ab. In diesem Fall ist Aggression sinnvoll und produktiv, denn sie bewegt uns dazu, Anlauf zu nehmen, um Hindernisse zu überwinden.

Nutzen wir Gott als unbegrenzte Kraftquelle. Er kann uns entlasten. Nicht alles liegt an uns und wo unsere Kräfte enden, da fangen Gottes erst an.

Audiobeitrag Der Durchbruch


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