| |
Setz dich neben mich
Die vier Mädels stürmen in die Regionalbahn. Ihr Motto: Je mehr Makeup, desto besser. Je weniger Stoff, desto erotischer.
Klarer Fall, Pubertätsopfer. Laut und rücksichtslos laufen sie durch das Abteil. Jeweils zwei in eine Richtung. Sie sind verzweifelt. Eine ruft schrill: Warum ist eigentlich nie ein Vierer frei, wenn wir Bahnfahren??!!! Die andere motzt: Weil die sich hier alle (!) extra (!) jeder einzeln einen Platz auf allen Vierern nehmen, damit wir nicht zusammen sitzen können!. Kichernd ziehen sie weiter ins nächste Abteil.
Die anderen Fahrgäste schmunzeln. Lächeln einander zum ersten Mal an diesem Morgen zu. Eine sagt laut und liebevoll: Die sind ja echt goldig. Die anderen nicken. Das haben wir gemeinsam, wir kennen sie, die Pubertät. Die Zeit, in der die Welt jederzeit in jeder Gestalt gegen einen sein kann. Wo nur eines hilft: Neben den besten Freundinnen sitzen. Tuschelnd, kichernd. Oder neben dem besten Freund. Schweigend oder Sprüche klopfend. Wir kennen das. Wenn das Leben scheinbar gegen uns ist, dann ist es überlebenswichtig, wer neben uns sitzt. Jemand, der uns versteht und mag, wie wir sind. Nicht nur in der Pubertät.
Ich schließe dann oft die Augen und sage leise: Gott setz dich neben mich, ich hab mich abgemüht und bin belastet. Lass mich bei dir zur Ruhe kommen, gib mir neue Energie (Mt 11, 28). Amen.
Sprecherin: Alexa Christ
Setz dich neben mich
|