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Fünf Finger Ritual
O-Ton: Wenn ich Sorgen hatte, bin ich ins Freie gegangen. Und hab gemerkt, sobald ich den Himmel über mir habe und nicht irgend ´ne Decke aus Beton, geht´s mir anders.
Autorin: so beschreibt der evangelische Theologe, Karikaturist und Autor Werner Tiki Küstenmacher die kleine Flucht aus dem Alltag. Das kenn´ ich auch: Im Urlaub bin ich viel unter freiem Himmel und merke, wie meine Sorgenvögel davonfliegen. Keine Chance für sie, in meinem Kopf oder Herzen ein Nest zu bauen. Tiki Küstenmachers Flucht ins Freie ist eines von fünf Ritualen für ein glücklicheres Leben. Die hat er in einem Buch zusammengefasst mit dem Titel: Du hast es in der Hand!
Musik: Officium, Jan Gabarek, The Hilliard Ensemble, Tr. 11 Credo, ECM Records 1994, LC 2516.
O-Ton: Eine Übung aus dem Mittelalter (
) und da dient die Hand als Gedächtnisstütze für bestimmte innere Übungen.
Autorin: Schon Martin Luther meditierte im Augustiner-Kloster Erfurt den so genannten Handpsalter - eine kleine Meditationsübung zu jedem Fingerglied. Davon hat sich Tiki Küstenmacher anregen lassen. Zu jedem Finger der Hand entwickelte er ein kleines alltagstaugliches Ritual. Eine Art Anti- Burnout-Programm:
O-Ton: Burnout entsteht, wenn Menschen sich in einer ausweglosen Situation befinden und diese fünf Finger sollen (
) fünf kleine Auswege sein.
Autorin: Der kleine Finger steht für die kleine Flucht. Kurz Abstand gewinnen. Einen Witz machen. Ins Freie gehen und nach oben blicken. Buchstäblich einen anderen Blickwinkel einnehmen. Der Ringfinger:
O-Ton: Der Ringfinger steht (zum Beispiel) für Befreiung.
Autorin: Sich frei machen. Loslassen, wegwerfen. Belastende Gedanken oder auch:
O-Ton: Ganz buchstäblich, dass man seinen Schreibtisch aufräumt oder seine Handtasche oder seinen Geldbeutel. Oder auch, dass man eine Arbeit, eine Aufgabe, die einen belastet, dass man versucht, die loszuwerden.
Autorin: Beim Mittelfinger gehts darum, die Mitte zu finden. Ganz bewusst an die eigene körperliche Mitte denken, ein paar bewusste Atemzüge tun. Eine Besinnung auf mich selbst, wenn ich mich in den Sorgen und Konflikten um mich herum verliere. Der Zeigefinger lenkt mich dann wieder zu den Zielen. Jetzt gehts zur Sache:
O-Ton: Unter Ziel verstehe ich nicht die großen Ziele, sondern: Was kommt jetzt. Und dass ich mir dann ´ne Priorität setze, ich tue jetzt nicht fünf Sachen, sondern eine.
Autorin: Der Daumen setzt den nächsten Schritt in Gang: Gott Danke sagen. Wahrnehmen, was ich habe und kann. Vom Leiden zum Handeln kommen. Anpacken. Lieben. Für Tiki Küstenmacher ist sein Handritual auch sein persönliches Abendritual geworden,
O-Ton:
dass ich (
) einen schönen Ort mir vorstelle, das ist meine kleine Flucht, (
) dass ich den Ringfinger nehme und mir vorstelle, was könntest du (
) weglassen morgen (
), dann mach ich ein paar Atemzüge, stell mir meine Mitte vor und überleg mir manchmal, was ist das Erste was ich morgen früh tue. Und ehrlich gesagt, ich glaub zum Daumen bin ich schon gar nicht mehr gekommen, da bin ich meistens eingeschlafen.
Literatur: Werner Tiki Küstenmacher: Du hast es in der Hand: Fünf einfache Rituale für ein glücklicheres Leben. München: Gräfe und Unzer, 2012.
Fünf Finger Ritual
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