Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.07.12; Judith Uhrmeister

Wir haben den Sieg schon längst

Heute endet die Olympiade! Ja, tatsächlich, Sie haben richtig gehört: Heute, am 27. Juli 2012 endet die Olympiade.

Aber keine Angst, dafür beginnen heute die Olympischen Sommerspiele in London. Die Olympiade – das sind die vier Jahre zwischen den olympischen Wettkämpfen.
Doch die Freude währt kurz: Die Sieger der olympischen Spiele von heute sind die Wettbewerber von morgen. Und so wird das Ende der Spiele schnell zum Anfang der Titelverteidigung. „Nach dem Sieg ist vor dem Sieg“, heißt es dann. Ganz schön anstrengend, so ein ständiger Wettbewerbsdruck.
Das gilt ja nicht nur für den Sport. Auch bei der Arbeit, unter Freunden und sogar in der christlichen Gemeinde und in Glaubensdingen setzen sich viele unter Druck. Der Apostel Paulus schreibt einmal an eine Gemeinde in der Stadt Korinth.

Sprecher: „Wisst ihr nicht, dass an einem Wettlauf viele teilnehmen, aber nur einer den Preis bekommt, die Medaille, den Siegeskranz? Darum lauft so, dass ihr den Kranz gewinnt! Alle, die an einem Wettkampf teilnehmen wollen, nehmen harte Einschränkungen auf sich. Sie tun es für einen Siegeskranz, der vergeht. Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist. Darum laufe ich wie einer, der das Ziel erreichen will.“
(1. Korinther 9,23-27)

Anders als bei den Olympischen Spielen geht es dem Apostel aber nicht um den kurzfristigen Sieg im Wettkampf, sondern um einen unvergänglichen Siegeskranz.

Beiden Siegen gemeinsam ist: Sie richten das gesamte Leben auf ein Ziel aus. Ein Sportler stellt sein gesamtes Leben auf den Sport ab. Essen, Schlafen, Beziehungen. Alles ist auf das Ziel ausgerichtet, den Wettkampf zu gewinnen. Wer glaubt, strebt nun nicht nach der Medaille, sondern nach einem erfüllten Leben. Nach Sinn, Vertrauen, Nähe, Geborgenheit, Inspiration, Anerkennung, Zuwendung und Gemeinschaft. Wer glaubt, vertraut darauf, in einem größeren Zusammenhang zu stehen. Wer glaubt, spürt, dass er gebraucht wird und unersetzlich ist. Und wer glaubt, weiß, dass er nicht allein aus sich selbst heraus machen kann, dass das Leben gelingt. Was auch immer ich tue, ich bleibe auf Hilfe angewiesen. Ich kann nicht machen, dass ich bin. Ich kann aber hoffen, dass es gelingt, das Leben. Das verstehe ich als „streben nach einem unvergänglichen Siegeskranz“, wie Paulus es im Brief an die Korinther einfordert. Hoffen, dass mein Leben gelingt, ist die Wettkampfdisziplin, für die ich als Christin antrete. Jesus hat vorgelebt wie das geht: Gegen alle Widerstände hat er sich eingesetzt für Menschen, die benachteiligt waren, für einen Glauben, der nicht aus starren Regeln besteht, sondern aus einer Beziehung zu Gott und den Glaubenden untereinander. Dass das Leben gelingen kann, selbst wenn man es verliert – das ist seine Botschaft und das ist die christliche Hoffnung.

Liebe Hörerin, lieber Hörer, Jesus Christus spricht den Menschen zu: Du bist mehr als die Summe deiner vergänglichen Siegeskränze. Du kannst hoffen, dass dein Leben gelingt. Diese Hoffnung nicht aufzugeben, ist die Ausrichtung der christlichen Lebensolympiade. Der unvergängliche Siegeskranz ist das Gelingen des eigenen Lebens und des Lebens überhaupt. Hoffen erfordert die Disziplin eines olympischen Sprinters während der Olympiade. Wie Sportlerinnen und Sportler sich in den vier langen Jahren der Olympiade immer wieder fragen müssen, welches Ziel sie verfolgen, so sollen sich Christinnen und Christen immer wieder fragen, welche Ziele sie mit ihrem Leben verfolgen. Ob ich allein auf vergängliche Siegeskränze aus bin oder ob ich nach einem unvergänglichen Siegeskranz strebe.

Entscheidend ist, für welches Ziel man läuft meint Ihre Judith Uhrmeister aus Düsseldorf.

Audiobeitrag Wir haben den Sieg schon längst


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