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Der Zweck und die Mittel
1500 Menschen werden in Guatemala von amerikanischen Ärzten im Auftrag des US Gesundheitsdienstes mit der Syphilis infiziert. Das war 1946 bis 1948.
Ziel der von Dr.John Cutler erdachten und geleiteten Studie war es, die Wirksamkeit des damals neu entdeckten Penicilins im Kampf gegen Geschlechtskrankheiten zu untersuchen.
Die Menschen, deren Gesundheit der Studie geopfert wurde, waren über das Tun der Ärzte nicht aufgeklärt. Soldaten, Strafgefangene, Patienten psychiatrischer Krankenhäuser und sogar Kinder aus einem Waisenhaus wurden unfreiwillige Opfer eines sadistischen Treibens.
An Syphilis erkrankte Prostituierte wurden in Gefängnisse gebracht, um die Häftlinge beim Verkehr anzustecken. Einem Waisenkind fügte das Ärzteteam Schnittwunden an Armen und Beinen zu und schmierte eitriges Material anderer Kranker in die Wunden. Die Ergebnisse hielt Cutler in seinem Untersuchungsbericht fest, der zwar nie veröffentlicht aber Anfang 2009 wieder entdeckt wurde und seitdem die diplomatischen Beziehungen zwischen Guatemala und den USA belastet.
Mindestens 83 Menschen sind dem Menschenexperimenten des Dr. Cutler zum Opfer gefallen. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, auch, weil in den vergangenen 64 Jahren die damals Infizierten die Krankheit weiter verbreitet haben. Die Überlebenden und Ihre Angehörigen leiden an den Folgen des Experimentes bis heute.
Dr. John Cutler übernahm in späteren Jahren eine medizinische Professur in Massachusetts. Seinen Kollegen empfahl er, medizinische Studien generell in Entwicklungsländern durchzuführen, weil dort laxer kontrolliert werde und gegen kleine Bestechungsgelder viel mehr möglich sei.
Vor kurzem drückten Barack Obama und seine Außenministerin Hillary Clinton Guatemalas Präsidenten Álvaro Colom ihr »tiefstes Bedauern« aus; beide Seiten vereinbarten eine gemeinsame Untersuchungskommission, auch um zu verhindern, dass erneut derartige Experimente am unwissenden, lebenden Menschen durchgeführt werden. Denn diese Gefahr ist real und gegeben. Erfolgversprechende Medikamente für den westlichen Markt werden immer häufiger in armen Ländern getestet. Aber wenn dann ein Medikament gegen die Malaria auf den Markt kommt, wenn Spritzen die Nerven Querschnittsgelähmter wieder wachsen lassen, wenn man Demenzerkrankungen mit Tabletten heilen kann und es plötzlich ein Medikament gegen AIDS gibt dann wird keiner danach fragen, unter welchen Bedingungen und zu welchem Preis das Medikament entwickelt und getestet worden ist.
Ihr könnt nicht zwei Herren dienen Gott und dem Geld, hat Jesus von Nazareth festgestellt. Die Pharmazeutische Industrie ist längst zu einem Milliardengeschäft geworden. Und die Gesundheit der Menschen ist nur noch Mittel zum Zweck: den Profit zu steigern nämlich. Dagegen müssen wir uns wehren.
Der Zweck und die Mittel
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