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Geben und Nehmen an der Givebox
O-Ton: Es ist spannend zu erleben, wie überrascht die Leute sind, dass da plötzlich ne Holzbox steht, aus der sie sich einfach alles rausnehmen können.
Autor: Die Idee ist so einfach wie genial: Da steht eine kleine Holzbude mit Regal und Dusch-Vorhang, nicht viel größer als ein Wohnzimmerschrank, mitten in der Stadt und jeder kann Dinge, die er nicht mehr benötigt, hineinlegen. Andere wiederum brauchen genau diese Dinge und können sie sich einfach herausnehmen. Givebox heißen die selbstgezimmerten Hütten, Schenkboxen, durch die sich Fremde gegenseitig glücklich machen, mit Kleidung, Büchern, Haushaltswaren.
O-Ton: Wir hatten nicht gedacht, als wir die erste aufgestellt haben, dass es eine solche Erfolgsstory des Gebens und Nehmens würde, das hatte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgedacht.
Autor: Hildegard Düsing-Krems ist eine der Düsseldorfer Initiatoren dieser gerade mal ein Jahr alten Bewegung.
O-Ton: Das ist ne Idee, auf die diese Gesellschaft gewartet hat.
Autor: Sie stammt aus Berlin, wo im Sommer 2011 die erste Box von Bürgern aufgestellt wurde, und hat von dort aus, verbreitet über Facebook, viele Nachahmer im ganzen Land gefunden, vor allem in Düsseldorf, wo vor ein paar Wochen die mittlerweile achte Box eröffnet wurde. Vieles, das sonst in den Müll wandern würde, findet hier seinen Platz. Neu sind, im Unterschied zu den seit Jahren bekannten Kleiderkammern, der einfache direkte Zugang und der anonyme Charakter.
O-Ton: Wenn ich will, kann ich am Abend hingehen, wenns dunkel ist, und dann sieht mich fast niemand.
Autor: Jeder kann sich in der Givebox bedienen, aber die Erfahrung zeigt: Sie hilft vor allem kinderreichen Familien und Menschen, die in Armut geraten sind.
O-Ton: Also ich kenne persönlich Menschen, die sagen, dank Givebox wären sie gut durch den Winter gekommen.
Autor: Jetzt im Sommer hoffen viele auf Badekleidung oder Wasserspielzeug für die Kinder. Überraschend ist, wie einfach und schnell sich in der Nachbarschaft Freiwillige finden, die sich um die Givebox kümmern, das Regal aufräumen oder Müll beseitigen. Eine von ihnen ist Marlies Pellny. Das Schönste, das sie beobachtet hat:
O-Ton: Sone Box, die ist ja auch ein Kommunikationstreffpunkt, insofern kann man da viel von seinen Nachbarn mitbekommen. Da wächst also wieder eine Gemeinschaft zusammen, das ist jede Minute Einsatz wert.
Autor: Wenn der Vorhang verdreckt ist, wie vor ein paar Monaten in Düsseldorf-Eller, kauft jemand aus der Nachbarschaft einen neuen.
O-Ton: Die Frau, die ich einmal da erlebt habe, die das gemacht hat, die hab ich vorher noch nie gesehen, und die sagte nur, das ist doch ne schöne Sache, und der Duschvorhang war so dreckig, jetzt ist doch Ostern und der Ostergottesdienst in der Kirche, und dann soll die Box doch glänzen.
Autor: Sharing is caring hatten die Berliner über ihren Holzkasten geschrieben: Teilen heißt sich kümmern, sich sorgen. Viele, die sich um die Givebox in ihrem Stadtteil kümmern, sind Leute aus den Kirchen, wie Jörg, der fast jeden Samstag mit seiner Tochter Rebecca an seiner Box anzutreffen ist, und der sich gut vorstellen kann, was Jesus dazu sagen würde:
O-Ton: Der würde sagen: Macht mit, stellt noch mehr davon auf, das ist ne gute Sache.
Autor: Und was hätte Jesus in die Box gelegt?
O-Ton: Er hätte ganz viel Liebe reingetan.
Autor: Liebe als Geschenk, einfach so zum Nehmen.
Sprecher: Pfarrer Matthias Köhler
Geben und Nehmen an der Givebox
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