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Der Gott der kleinen Dinge (unser tägliches Brot gib uns heute)
Elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jedes Jahr im Abfall entsorgt.
Immerhin fast zwei Drittel dieser riesigen Menge entsteht durch ganz normale Privathaushalte. 81,6 Kilo jedes Jahr pro Bundesbürger. 225 Gramm pro Tag. Weggeworfen. Obst, Gemüse, Brot, Fleisch. Szenenwechsel: Ich stehe im Supermarkt vor den riesigen Theken mit zig Brotsorten und frage mich: Was nehme ich? Und ich greife wieder zu meinem Lieblingsbrot. Ein einfaches Sauerteigbrot in Kastenform. Meine Art, mit dem Überfluss fertig zu werden.
Im krassen Gegensatz dazu steht die unscheinbare und bedürftige Bitte des wichtigsten Gebetes der Christenheit, des Vater-Unsers: "Unser tägliches Brot gib uns heute!" Jesus hat dieses Gebet in seiner Muttersprache gesprochen, überliefert ist es auf Griechisch. Man kann diese Bitte auch so übersetzen: "Gib uns das Brot, dass wir morgen nötig haben." Die Menschen zur Zeit Jesu waren überwiegend Tagelöhner, sie gingen morgens auf den zentralen Platz der Stadt oder ans Stadttor und schauten, wo sie Arbeit bekommen konnten. Wenn sie nichts bekamen, sah es düster aus und man ging schon mal hungrig ins Bett
Das ist nun nicht mehr unsere Lebenswelt, denken Sie vielleicht. Das stimmt nicht ganz. Es gibt sie auch wieder in Deutschland, die Menschen, die Straßenkinder, die in Mülltonnen vor Supermärkten nach Lebensmitteln suchen. Lebensmitteln, die aufgrund eines schwachsinnigen Haltbarkeitsdatums einfach entsorgt wurden
Was aber Jesus mit seiner Bitte um das tägliche Brot im Sinn hatte, wird immer aktueller, je komplexer diese Welt wird. Gerade in der Eurokrise stellen wir ganz normale Bewohner der Eurozone ja fest: Eigentlich ist nichts mehr so richtig sicher. Unser Wohlstand, unsere vermeintlichen Sicherheiten stehen auf tönernen Füßen
Jesus lädt mit dem Vater Unser ein, die Sorgen um das Lebensnotwendige abzugeben. Was heißt das aber für meine handfesten Sorgen, für das, was ich zum Leben brauche? Woher kommt denn die Kraft für den nächsten Tag? Wer garantiert meinen Kindern eine gute Zukunft? Werde ich in meinem Alter noch einen neuen Arbeitsplatz finden? Ist die Rente sicher? Wichtige und drängende Fragen. Gerade weil wir sie nur bedingt im Griff haben und nur wenig kontrollieren können
Genauso ging es Bewohnern Israels zurzeit Jesu. Sie brauchten Arbeit und wussten nicht: Gibt es morgen Arbeit für uns? Unser tägliches Brot gib uns heute in dieser Bitte schwingt die Gewissheit mit: Gott sorgt für dich und mich. Das ist keine Garantie auf die Erfüllung aller Bedürfnisse. Das bedeutet nicht, dass ich mich nun einfach zurücklehnen kann. Ich muss mich aber auch nicht in Sorgen verzehren und von ihnen lähmen lassen. Jesus zeigt mit dieser kleinen Bitte einen großen Weg zur Freiheit. Diese Bitte holt mich aus der Lähmung des Dauersorgens heraus und setzt meine Füße wieder auf weiten Grund. Damit ich handeln kann. Gott liebt es, mit seinen Menschen zusammen zu arbeiten! Nur der Verantwortliche kann antworten auf die Frage Gottes: Darf ich dir deine Sorge abnehmen? Tut dir nicht gut. Ich bin für dich da. Darf ich das sein? In diesem weiten Raum, in dem ich die Sorgen ablegen kann, da spüre ich auch wieder: Mein Leben ist kostbar. Jeder kurze Moment.
Gott versorgt mich. Er meint es gut. Aus seiner Hand nehme ich das Leben. Und er ist auch der Gott der kleinen Dinge. Alles das, was ich täglich zum Leben brauche das ist nicht selbstverständlich, - sondern ein Zeichen der Liebe Gottes. Und ein großer Reichtum.
Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.
Der Gott der kleinen Dinge (unser tägliches Brot gib uns heute)
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