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Freitag, der 13.
Heute ist wieder so einer: Freitag, der dreizehnte. Was schief gehen kann, das geht bestimmt schief wenn man es sich nur lange genug einredet.
Heute besser keine wichtige Entscheidung treffen, denn wer weiß? Die Angst vor diesem Tag ist genauso groß, wie sie in den Medien lautstark belacht wird. Para-skave-deka-tria-phobie wird sie im Fachjargon bezeichnet: Angst vor Freitag, dem 13ten. Der Name ist so schwer auszusprechen wie der Aberglaube nachzuvollziehen ist. Warum sollte ein Freitag, der zufällig auf den 13. fällt eine besondere Anziehungskraft für Unglücke haben? Und trotzdem die Angst, die manche heute wieder spüren, ist echt.
Aberglaube ist Glaube, der Angst macht. Ich erinnere mich daran, wie wir als Kinder einmal nach Weihnachten allein waren. Wir meinten es gut und wuschen Wäsche. Als meine Mutter heimkam und die Wäsche auf der Leine sah, riss sie sie runter und schrie: Was fällt euch ein, jetzt Wäsche aufzuhängen? Wir verstanden nichts. Und sie sagte: Wer zwischen Weihnachten und Neujahr Wäsche aufhängt, in dessen Familie sei im drauffolgenden Jahr ein Todesfall zu beklagen. Diese Angst war irgendwie in ihr verwurzelt. Noch heute, über dreißig Jahre später, denke ich an diese Begebenheit, wenn ich nach Weihnachten Wäsche aufhänge. Aberglaube kann eine unglaubliche Kraft über Menschen ausüben.
In unserem Innersten beschäftigen uns solche Sprüche und Glaubensweisen mehr als wir es zugeben wollen. Als es bei uns in der Grundschule Mode wurde die Linien in der Hand zu lesen, war es für mich ein Schreck, eine kurze Lebenslinie zu haben. Sollte mir ein früher Tod drohen? Natürlich weiß ich, dass das Quatsch ist, aber was an Regungen in uns stattgefunden hat, hinterlässt Spuren.
Aufklärung tut Not. Ich meine, Aberglaube der Angst macht, muss durch einen Glauben ersetzt werden, der das Vertrauen ins Leben stärkt. Warum sollte Freitag ein Unglückstag sein? Sicher nicht weil das Wochenende beginnt. Manche versuchen zu begründen, weil Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde. Aber Jesu Tod und Auferstehung machen uns doch gerade frei von all den Mächten der Angst. Die Angst vor dem Freitag ist absolut unbegründet. Doch trotzdem geht die Angst um. Die Angst vor der 13 scheint noch verbreiteter zu sein. In manchen ICEs fehlt der 13. Wagon, in Flugzeugen die 13. Reihe, in Hotels das Zimmer Nr.13 und doch ist es nur eine Zahl. Sie auf den dreizehnten Jünger Jesu zurückzuführen, der Jesus verraten habe, hat keinen Rückhalt in der Bibel.
Aberglaube braucht aber auch gar keine rationalen Begründungen, sondern lebt von der subtilen Angst vor der Zukunft. Ich wünschte mir, dass all die Spielarten der Angst vor gewissen Tagen wie heute Freitag, dem 13., vor der Wäsche auf der Leine oder der zu kurzen Handlinie oder sonstigem Hokuspokus dem Vertrauen in den liebenden Gott weicht, der uns hält im Leben und im Sterben und aus dessen Hand wir nicht herausfallen können. Auch heute nicht, am Freitag, den 13ten.
Freitag, der 13.
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