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Mit Essen spielt man nicht (Lukas 12,16-21)
Mit Essen spielt man nicht, lernte ich als Kind. Aber was bei Tisch gilt, gilt noch lange nicht im Geschäftsleben.
Im weltweiten Finanzkasino wird mit Essen gespielt auf Teufel komm heraus. Milliarden Dollar werden dadurch in die Steuerparadiese geschleust, Millionen Menschen in die Hungerhölle gestoßen.
In einem Gleichnis stellt Jesus einen Getreidespekulanten vor. Seine Felder haben gut getragen, eine Rekordernte in diesem Jahr. So groß, dass seine Scheunen nicht ausreichen. Er überlegt sich: Was soll ich tun? Ich habe nichts wohin ich meine Früchte sammle. Dann hat er eine geniale Geschäftsidee:
Sprecher: Das will ich tun. Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin all mein Korn und meine Vorräte sammeln. Dann will ich zu meiner Seele sagen: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!
Unser Mann ist alles andere als ein kleiner Landmann, der auf eigener Scholle Getreide für sein tägliches Brot anbaut. Er ist ein reicher Großbauer. Und er ist ein Fuchs. Denn er versteht nicht nur etwas von Landwirtschaft. Er ist auch ein gewiefter Wirtschafter. Die neuen Scheunen sind ja nicht Vorratskammern für seinen eigenen Verzehr. Er produziert seinen Weizen für den Verkauf. Er weiß: Das Geheimnis des Erfolgs liegt nicht in der Fülle, sondern in der Knappheit. Zu viel des Guten verdirbt das Geschäft. Ein rares Gut aber treibt die Preise hoch. Nur wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, kann er seine Rekordernte auch in einen Rekordgewinn ummünzen. Seine Sorge ist, dass das Brot billig wird. Also hortet er seine Ernte und erzeugt die gewünschte Knappheit. Es wäre zu billig, ihn habgierig zu nennen, denn er handelt nur vernünftig nach der Logik des Marktes. Diese wirtschaftliche Vernunft belohnt ihn mit einem sorgenfreien Leben im Überfluss.
Der reiche Kornbauer ist gewissermaßen das Oldtimermodell, der Vorläufer von Banken, die heute Weltmeister sind in Sachen Nahrungsmittelspekulation.1 Dies ist nicht eine kürzlich erfundene Mammondienstmethode, sondern schon für die Antike belegt, genauso wie die Hungersnöte in ihrem Gefolge. Schon vor zweitausend Jahren wendete man Tricks wie den Leerkauf von Märkten oder das Zurückhalten von Gütern an. Jesus stellt in seiner Geschichte einen cleveren Vertreter solcher Praktiken vor. Doch so gewitzt er auch erscheint, am Ende des Gleichnisses steht er dumm da. Gott spricht zu ihm:
Sprecher: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?
Ein Narr ist dieser gewiefte Betriebswirt. Jesus sieht die tödliche Kehrseite seines Erfolgs. Die Zerstörung, die sein närrisches Streben nach Bereicherung anrichtet, wird am Ende auch ihm die Lebensgrundlage entziehen. Er wird es am Ende selbst nicht überleben, wenn er eine Wirtschaft gegen die Lebensinteressen seiner Mitmenschen betreibt. Heute sehen wir, wie die Ökonomie des Kornbauern im globalen Maßstab die Erde zerstört.
Trachtet zuerst nach Gottes Reich und nach seiner Gerechtigkeit., widerspricht Jesus ihrer Logik. Das ist die Alternative. Zuerst nach Gerechtigkeit statt nach Profit trachten. Das ist Gottesdienst gegen den Mammondienst. Es gibt keinen Mittelweg dazwischen.
Eine klare Aussage, meint Pfarrerin Silke Niemeyer aus Recklinghausen.
1 Nach Auskunft der Hilfsorganisation Oxfam ist die Deutsche Bank die weltweite Nummer 1 in Rohstoffinvestments im Agrarbereich, also Weltmeister in Sachen Nahrungsmittelspekulation. http://www.oxfam.de/factsheet-deutsche-bank
Mit Essen spielt man nicht (Lukas 12,16-21)
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