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Macht das Gotteshaus nicht zum Kaufhaus (Johannes 2,13ff)
Er sagt es nicht nur, er haut für diese Überzeugung auch auf den Tisch, wenn es sein muss. Jesus. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Das ist seine Überzeugung. Und die tut er kund. Davon erzählt zum Beispiel die Geschichte von der Tempelreinigung. Die heißt ja nicht so, weil Jesus den Tempelboden geputzt hätte, sondern weil er falsche Einstellungen, den Geist der Habsucht, der Gier, den Geist des ökonomischen Exzesses aus dem Tempel hinauswarf. So merkt der Journalist Heribert Prantl in seinem Buch Wir sind viele an. (Süddeutsche Zeitung Edition Streitschrift. München 2011, S. 35)
Jesus findet das Gotteshaus bevölkert von Leuten, die es zu einer Kaufhalle machen: Händler, die Opfertiere verkaufen, und Geldwechsler, die gültige Währungen bereithalten. Der Tempel war zu einem großen Tresor geworden. Arme und vor allem Reiche hatten in ihm ihr Hab und Gut hinterlegt. Die Steuern wurden dort eingenommen. Eine Mischung aus religiösem Jahrmarkt, Finanzamt und Bank. Hier geht es vor allem um eines, um Geld, um dessen Einnahme, Zirkulation, Bewahrung und Mehrung. Jesus verhält sich nicht gerade wie der friedliche Gandhi, als er das beobachtet. Er bastelt sich eine Peitsche und veranstaltet einen Tumult, der sich sehen lassen kann. In heiligem Zorn drischt er auf die Händler ein. Er stürzt Tische um und schüttet das Geld aus. Möbel poltern, Münzen klirren auf dem Boden, Menschen kreischen, Schafe blöken, Federn fliegen und Neugierige glotzen. Schafft das fort und macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus!, herrscht er sie alle an.
Das hier ist kein ungezügelter Wutausbruch gegen ein paar Händler. Dies ist keine Randale. Dies ist eine demonstrative Aktion gegen ein korruptes System aus religiösem Zirkus, Opferklamauk und Geschäftemacherei. Jesus liegt damit auf einer Linie mit den Propheten. Von Jeremia wird überliefert, dass er einen ähnlich zornigen Auftritt im Tempel hinlegte:
Sprecher: So spricht Gott: Glaubt nicht, dass es euch etwas hilft, wenn ihr ständig wiederholt: Dies ist der Tempel des Herrn, dies ist der Tempel des Herrn, hier wohnt der Herr! Damit betrügt ihr euch selbst! Nein, ihr müsst euer Leben und Tun gründlich ändern! Geht gerecht miteinander um; nutzt nicht Fremde, Waisen und Witwen aus;
Ihr aber stehlt und mordet, brecht die Ehe, schwört Meineide,(
) Und dann kommt ihr und stellt euch hier in meinem Haus vor mich hin und sagt: Uns kann nichts geschehen! Dabei tut ihr weiterhin alles, was ich verabscheue. Ist denn dieses Haus eine Räuberhöhle? (Jeremia 7,4ff) (Gute Nachricht)
Gottesdienst ist da, wo Menschen, besonders die schwachen, Befreiung, Rettung und Schutz bekommen und nicht das Geld und sein Zins geschützt werden. Die Geschichte von der Tempelreinigung, sie lehrt mich als Pfarrerin, auch das Tun meiner Kirche selbstkritisch zu befragen. Was geschieht, wenn wir uns immer mehr den Gesetzen des freien Kapitals ausliefern? In der Pflege von alten und kranken Menschen, in der Hilfe für Suchtkranke, in der Begleitung von Familien überall bestimmen mittlerweile die Regeln des Marktes und nicht in erster Linie die Bedürfnisse der Menschen. Es geht um Effizienz, Wettbewerb und Kostensenkung. Unter diesem Druck gerät der Alltag in vielen kirchlichen Einrichtungen zu einer Gratwanderung zwischen: ein bisschen Gott dienen und ein bisschen dem Mammon. Wir können uns nicht gleich eine Peitsche basteln. Aber auf den Tisch der Politik hauen könnten wir schon und lauter und zorniger sagen, dass das nicht geht. Dass das weder Gott noch den Menschen dienlich ist. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten unterdessen oft Bewundernswertes, das manchmal zu wenig gewürdigt und zu dürftig entlohnt wird. Einfach weil sie wissen und weiter daran festhalten, was Jesus sagt: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Ihre Pfarrerin Silke Niemeyer aus Recklinghausen.
Macht das Gotteshaus nicht zum Kaufhaus (Johannes 2,13ff)
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