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Wer hat, dem wird gegeben (Matthäus 25, 14ff)
Geld regiert die Welt, sagt der Volksmund. Geld und seine Vermehrung - das war schon in biblischer Zeit ein Thema. Da geht ein schwerreicher Mann auf Reisen.
Vorher ruft er drei seiner Knechte und übergibt ihnen Vermögensanteile, dem einen fünf, dem zweiten zwei, dem dritten ein Talent Silber. Um die Dimensionen zu verstehen: ein Talent ist eine Maßeinheit und bedeutet 150 Kilogramm. Die ersten beiden Knechte wissen gleich, was von ihnen erwartet wird. Sie gehen an den Markt und verdoppeln das Geld. Nicht so der dritte. Er vergräbt es. Schlecht für ihn. Denn als der Herr zurückkommt, fordert er Rechenschaft. Die wackeren Finanzjongleure, die 100% Gewinn gemacht haben, werden gelobt und befördert. Dann jedoch nimmt der Herr sich den dritten Knecht vor.
Sprecher: Du böser und fauler Knecht! Du wusstest doch, dass ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Du hättest mein Geld den Wechslern geben sollen. Dann hätte ich jetzt das Meine mit Zinsen erhalten. Nehmt ihm nun das Talent weg, und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn jedem, der hat, wird gegeben und überreichlich gewährt werden; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußere Finsternis; da wird Heulen und Zähneknirschen sein. (nach der Übersetzung: Elberfelder Bibel) (Matthäus 25,14ff)
So brutal sieht es aus in einer Welt, die dem Geld huldigt oder biblisch gesprochen - dem Mammon dient: Eine Minderheit von Herren erntet, wo sie nicht gesät, und sammelt, wo sie nicht ausgestreut hat. Sie gehen auf Reisen und sahnen ab, was andere erarbeiten. Die Knechte, die nicht mitmachen, sind unnütz und werden ausgestoßen. Zuerst werden sie Faulpelze geschimpft und am Ende in die Finsternis geworfen, wo Heulen und Zähneknirschen ist. Denn wer hat, dem wird gegeben und wer nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen. So funktioniert die große Umverteilung von unten nach oben.
Jesus hat dieses Gleichnis vor 2000 Jahren erzählt und es ist uns bis heute überliefert.
Viele, die das Gleichnis hörten und auslegten, meinten, dass der Herr ein Bild für Gott sei. Und darum haben sie die Talente flink umgedeutet in Begabungen. Gott verteile diese Begabungen und der Mensch müsse sie für Gott fruchtbar machen, ist ihre Moral von der Geschicht. Doch Jesus führt uns hier nicht in einen Talentschuppen, sondern in die Welt der realen Ökonomie. Das irritiert erst einmal. Was heißt das nun für das Himmelreich, für die bessere Welt? Eine gerechte Welt, die hier und heute durch uns schon verwirklicht werden kann. Jesus war gläubiger Jude und las in der Tora, den heiligen Schriften der Juden. Und dort steht: Es ist verboten auf Zins und Wucher zu spekulieren. Nach seinem Willen soll es so zugehen, wie es beim Propheten Jesaja zu lesen ist:
Sprecher: Sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Sie sollen nicht umsonst arbeiten. (Jesaja 65)
Wenn Gott Rechenschaft verlangt, geht es anders zu als beim reichen Herren. Das erzählt Jesus direkt anschließend an das Gleichnis von den Talenten in seinem Gleichnis vom Weltgericht. Vor Gott werden wir Rechenschaft darüber ablegen heißt es da, ob wir den Hungrigen zu essen und den Durstigen zu trinken gegeben haben, ob wir die Nackten bekleidet, die Kranken und Gefangenen besucht und die Fremden aufgenommen haben. Da wird die Devise nicht lauten Wer hat, dem wird gegeben, und wer nicht hat, dem wird genommen., sondern Was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. Und was ihr ihnen nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan., sagt Jesus.
Nicht auf den höchsten Profit, sondern auf die geringsten Menschenbrüder und -schwestern kommt es an, meint Pfarrerin Silke Niemeyer aus Recklinghausen.
Wer hat, dem wird gegeben (Matthäus 25, 14ff)
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