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EM-Finale
Am Sonntag ist es endlich soweit. In Kiew entscheidet sich, wer für die kommenden vier Jahre die Krone Europas trägt. Also fußballmäßig. Keine Frage:
Unsere Welt braucht Sieger. Und wer dann die 90 Minuten, wo möglich nach Verlängerung und Elfmeterschießen gewinnt, der hat das dann auch verdient, um eine alte Fußball-Phrase zu bedienen.
Unsere Welt braucht Sieger. Ja. Denn an denen kann man sich orientieren. Sieger geben die Richtung vor. Unsere Welt braucht Sieger. Ja. Auch damit wir uns mitfreuen können. Denn die Mehrheit der Menschen hält immer zu den Starken, den Großen, den Mächtigen. So fällt ein wenig Glanz auf einen selbst. Das tut gut und das ist, glaube ich, auch das Geheimnis, warum der FC Bayern bundesweit so viele Fans hat.
Im Zweifelsfall ist der Mensch immer mit den Siegern. Und dann fällt es schwer, wenn die Sieger mal nicht Sieger sind. David und Goliath können davon erzählen. Die Bibel berichtet von den beiden. Goliath, der Riese, der Starke, der Unbesiegbare trifft auf David, den Schmächtigen, den Winzling. Es kommt zum Kampf. Ein Kampf der Ungleichen. Im Grunde steht der Sieger schon vorher fest. Aber nein, das Leben spielt manchmal komische Pässe. Denn David, der hat überraschend Spielwitz und Fantasie und eine neue Technik, eine Steinschleuder, und patsch: Da liegt der Große, der Unbesiegbare, flach am Boden, platt auf der Nase.
Das ist aber die Ausnahme, sagen die Experten. Im Zweifelsfall gewinnt der Starke schon wieder. Und wäre es bei David und Goliath damals zum Rückspiel gekommen, das Blatt hätte sich bestimmt gewendet.
Ich glaube, die tiefe Weisheit von David und Goliath ist eine andere und das gilt auch für die schönste Nebensache der Welt: Es gibt keine ewigen Sieger. Auch am Sonntag nicht in Kiew. Denn auch den Stärksten kann es umhauen. Auch den mächtigsten Staatsmann kann es von Thron fegen. Auch der Fitteste und Gesündeste kann krank werden. Auch der Fröhlichste kann traurig werden.
Aber das gilt eben genauso auch umgekehrt und das ist das Wunderbare am Fußball, das ist das Wunderbare am Leben: Der Außenseiter kann Meister werden. Der vermeintliche Verlierer wird Sieger, der Kranke wieder gesund und der Verlassene wieder geliebt.
Und wir haben sogar die Zusage Gottes, dass das so sein wird. Gott hat uns das fest versprochen. Und das ist dann doch der Unterschied zum Spiel auf dem grünen Rasen. Denn Fußball bleibt unberechenbar. Und so schaue ich gespannt diese Tage nach Kiew und denke für mich: Mein Leben wird zum Glück nicht zwischen vier Eckfahnen entschieden, geschweige denn durch Elfmeterschießen. Und ich sage: Gott sei Dank!
EM-Finale
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