|
10 Gebote
Wie heißt das elfte Gebot? Genau, Du sollst Dich nicht erwischen lassen. Na gut, das steht nicht in der Bibel. Das ist ein Kalauer aus dem Predigerseminar.
Aber nicht nur. Ich glaube, wir dürfen den Zehn Geboten ruhig ein wenig mit Humor begegnen. Es ist nur schade, dass so wenige die Gebote noch kennen. Nahezu jeder zweite in Deutschland, so eine Umfrage, kann keines mehr nennen.
Das ist bedauerlich. Denn sie sind nicht nur ein weiser und ernster Rat Gottes, wie wir unser Zusammenleben gestalten sollten. Sondern sie sind auf ihre Art auch ein sehr persönlicher Blick in den Spiegel der Stärken und Schwächen eines jeden Menschen. Also: gut von den Zehn Geboten zu wissen.
Es ist aber mindestes genauso wichtig zu wissen, was sie nicht sind: nämlich der moralische Zeigefinger der Selbstgerechten. Also der Menschen, die Fehler und Versäumnisse mit Vorliebe bei anderen sehen. Der Menschen, die immer wissen, was andere falsch machen und sich selbst für unfehlbar halten.
Und genau davon erzählt die verschmitzte Geschichte von Vater David: Der, so wird erzählt, hatte sich für viel Geld einen nagelneuen Regenschirm gekauft. So einen mit Holzgriff und Schmuckgravur und dieser besonders haltbaren Klapptechnik. Eines Tages war die ganze Familie mal wieder zu Besuch. Und Vater David hat eine wirklich große Familie.
Und anschließend, tja, da war der Schirm weg. Einfach weg. Es blieb nur der schale Verdacht, dass einer aus der so ehrenwerten Familie den Festtrubel geschickt genutzt hatte, um das gute Stück mitgehen zu lassen.
Geplagt von dieser Unehrlichkeit in seiner eigenen Sippe ging David zum Rabbi. Ein guter Weg. Denn der weise Mann weiß doch immer Rat in wichtigen Lebenslagen. Der Rabbi überlegte und gab Antwort: Lieber David, lade deine ganze Familie ein, sagte er, und lies zum Abschluss aus der Bibel. Trage dann die Zehn Gebote vor und wenn Du zum siebten Gebot kommst `Du sollst nicht stehlen´, dann schau ganz genau in Runde. Und dann wirst du wissen, wer den Schirm hat." David dankte und zog von dannen.
Wochen später traf der Rabbi Vater David wieder und erkundigte sich nach dem Schirm. Überglücklich erzählte David dem Rabbi: Ich bin dir so dankbar! Ich habe die Lesung gehalten, genau so wie du gesagt hast, aus den zehn Geboten der Bibel. Alle haben zugehört. Alle. Von Gebot zu Gebot. Und dann bin ich zum sechsten Gebot gekommen `Du sollst nicht ehebrechen´. Und weißt du, da ist mir eingefallen, wo ich den Schirm habe stehen lassen.
10 Gebote
|