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Fußballgott
O-Ton Herbert Zimmermann: Schuss! Abwehr von Turek. Turek, du bist ein Teufelskerl, Turek du bist ein Fußballgott! Entschuldigen Sie die Begeisterung.
Die Fußballlaien werden uns für verrückt erklären
Autor: Bitte keine Entschuldigung. Fußball ist das Leben. Und bekanntlich ist die Wahrheit auf dem Platz. Wer stimmt dem nicht zu? Gerade jetzt in den Tagen der EM. Keine Frage: Fußball, das ist Religion. Damals, Bern 1954 nicht anders als 2012 in Polen und Der Ukraine. Allerdings: Man muss ehrlich sein: Es gibt nicht nur einen
O-Ton: Fußballgott.
Autor: Es gibt viele: In den 90-er Jahren war es Jürgen Kohler
O-Ton: Das kann nicht wahr sein, das kann überhaupt nicht wahr sein
Autor: Und schon früher, nicht zu vergessen: Stan Libuda:
O-Ton Kommentator: Es ist ein Gott schlechthin. Keiner kommt an Gott vorbei. Außer Stan Libuda.
Autor: Es gab diverse Flankengötter. Und natürlich die Hand Gottes. Maradona hatte sie im Halbfinale der WM 86. Göttlich war sie seiner Ansicht nach, weil sie Argentinen ins Finale beförderte, aber eben nicht so ganz regelgerecht. Die Engländer standen ihr ohnmächtig gegenüber und fanden das gar nicht so heilig. Maradona hat sich mehr als 20 Jahre später dafür offiziell entschuldigt. Mir scheint: Unsere Fußballgötter sind doch eher irdische Gestalten. Olli Kahn, für viele ebenfalls gottverdächtig, hat das für sich auf den Punkt gebracht:
O-Ton: Allerdings bin ich auch noch Mensch, wie sie vielleicht wissen.
Autor: Also: Gott und Mensch in einem. Das kannten schon die alten Griechen. Richtig Erfolg hatten die Bewunderer des Olymp mit dieser Variante aber auch nicht. Ich denke, ein wenig Vorsicht mit zu viel Ehrerweisung ist ratsam. Vielleicht ist der
O-Ton: Fußballgott
Autor: doch eher im Himmel zu finden als auf dem grünen Rasen:
O-Ton: Ich hab ja gestern im Flugzeug gesagt, also ich glaube, wenn es einen Fußballgott gibt, dann wird er uns jetzt in der Schlussphase noch mal helfen. Dann hat die Maschine zufälligerweise kurz danach richtig gewackelt, dass ich fast umgefallen wär. Sehn Sie, der liebe Gott hat´s gehört, er hat´s bestätigt. Ich hoffe es.
Autor: Sagt Fußballexperte Reiner Calmund. Und auch er, das wissen wir heute, lag leider falsch. Es waren doch nur Turbulenzen. Und so sind wir vielleicht klüger mit Rudi Assauer:
O-Ton: Ab heute glaube ich nicht mehr an den Fußballgott. Weil er nicht gerecht ist. Wenn er gerecht gewesen wäre, dann wäre der FC-Schalke 04 Deutscher Meister geworden.
Autor: Ich bin gespannt, welchen Fußballgott wir noch in diesen Tagen in Kiew erleben werden. Wie ich die Spiele so sehe, ist da sicher der eine oder andere Anwärter dabei. Ich wünsche mir allerdings auch, dass wir unseren Glauben nicht auf 90 Minuten in der Fan-Meile beschränken. Meine christliche Hoffnung trägt mich auf jeden Fall weiter als bis zu den vier Eckfahnen. Und eines ist sicher: Unser Leben wird nicht durch Elfmeterschießen entschieden. Gott sei Dank.
Informationen zu den Hörbüchern: Martin M.Schwarz: 5 Jahrzehnte Fußball im Originalton (aus: Hr2-kultur), Hörbuch Hamburg, 2000 (erster O-Ton in diesem Beitrag) ISBN-Nr. 3934120482
Ulrich Sonnenschein/Martin Schwarz: Ich habe fertig Die besten Sprüche des Fußballs im O-Ton, (aus Hr2-kultur), Hörbuch Hamburg, 2006 (alle anderen O-Töne für diesen Beitrag von dieser CD, Track 1) ISBN-Nr. 38994075820
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