Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.06.12; Holger Pyka

Quaken und Grunzen

Manchmal muss man sich so richtig zum Deppen machen, um das Leben zu feiern. Zu Mittsommer stellt man in Schweden einen Baum auf einer Wiese auf und tanzt drum herum.

Weil ich  das nicht gewohnt war, wirkte das ziemlich seltsam.  Kinder und Erwachsene sangen laut: Wir sind die kleinen Frösche, quaken wie wild durcheinander und hüpfen im  Kreis. In der zweiten Strophe sangen sie: Wir sind die kleinen Schweine und haben einen Ringelschwanz.  Dann grunzten sie, stolperte übereinander und blieben lachend im Gras liegen. Als das Lied zu Ende war, brüllten alle: „Noch mal!“, und weiter geht ging’s. Keiner kam auf die Idee, das irgendwie peinlich zu finden.

Vielleicht muss man das Land kennen, um das zu verstehen. Mittsommer ist der längste Tag des Jahres, ganz im Norden geht die Sonne in dieser Nacht überhaupt nicht unter. Ist ja nur gerecht, denn im langen Winter geht sie manchmal gar nicht erst auf. Da feiert man eben den Sonnenschein, solange man ihn hat, der Herbst, der Winter kommt schon früh genug. 

Lebe im hier und jetzt. Sage ich mir ja auch oft. Aber hier war ich dann echt gefordert. Beim dritten Mal habe ich mit auf die Wiese gestellt  gequakt und gegrunzt. Und mich einfach mal über das gefreut, was ich sonst als selbstverständlich hinnehme. Die Welt ist ein großartiges Geschenk. Und: Hey, das Leben ist schön!

Sprecherin:  Alexa Christ

Audiobeitrag Quaken und Grunzen


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