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Ein Licht aufgehen lassen
Was hatte ich mir noch für heute vorgenommen? Es war etwas Wichtiges. Das kann doch nicht wahr sein! Na ja, es wird mir schon noch einfallen.
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast.
Erst das rechte Bein strecken. Mit den Händen unter den Oberschenkel. Das Bein anheben, die Zehen nach oben ziehen. Wie jeden Morgen. Jetzt das linke Bein. Gut, das geht noch wunderbar. Besser als bei Hans, der kaum noch aus dem Bett kommt. Wenn mein Kopf nur auch noch so mitmachen würde. Ach ja, das war es. Ich wollte noch mal zu Hans gehen. Ihn nach dem Spruch fragen, den er mir neulich gesagt hat.
Ein wunderbarer Spruch war das. Wie für mich gemacht. Der Anfang war ach was solls. Na ja, Hans wird es mir sagen können. Gleich nach dem Anziehen gehe ich zu ihm. Hoffentlich hat er Zeit für mich. Aber er ist ja immer auf seinem Zimmer. Wo soll er schon hingehen? Zum vierten Mal werde ich ihn jetzt nach dem Spruch fragen . Eine Schande ist das. Ob er denkt, dass ich ihn zum Narren halte? Gestern war er so herzlich zu mir. Hat so verständnisvoll seine Hand auf meinen Arm gelegt. Bestimmt denkt er, mit dem Walter ist auch nichts mehr los. Zum Schämen ist das. Diesmal schreibe ich mir auf, was er gesagt hat.
Guten Morgen, Hans. Ich bins. Ja danke, die Beine machen noch mit. Haben ja auch viel zu tun, wenn sie immer zu Dir laufen müssen. Zum neidisch werden? Hör bloß auf. Dafür ist Dein Kopf noch so schnell wie ein junger Läufer. Ich wollte Dich noch einmal nach dem Spruch fragen, den Du mir neulich gesagt hast. Aber wahrscheinlich hast Du langsam die Nase voll davon und denkst, das hat sowieso keinen Sinn.
Na klar kann ich das Teelicht an Deiner Kerze anzünden. Wo willst Dus denn hin haben? Da hinten in die Ecke? Ach, auf den Ständer. Warte. Hier ist das Teelicht. So, jetzt brennt der Docht. An welche Stelle soll es denn? Hier links? Was sagst Du, noch ein Teelicht? Warte, ich komme wieder zu Dir. Gut, ich zünde es an deiner Kerze an. Soll ich es diesmal auf den rechten Arm des Leuchters stellen? Hast Du noch einen Wunsch? Was, noch ein Licht? Da hättest Du mir doch gleich drei mitgeben können. Ach so, Du meinst, sie wären mir dann hingefallen. Aber meine Hand ist noch ruhig, da staunst Du. So, es brennt.
Moment, ich hole den Stuhl zu Deinem Bett. Was guckst Du mich so herausfordernd an? Ja stimmt, Deine Kerze brennt immer noch. Warum auch nicht? Das schadet ihr doch nicht, wenn ich die Teelichter an ihr anzünde. Sie verliert nichts, wenn sie immer wieder von ihrem Feuer abgibt.
Du meinst, Du bist wie die Kerze? Ich kann so oft zu Dir kommen, wie ich will? Immer wieder mein kleines Licht bei Dir anzünden? Auch wenn es mir ausgeht, bis ich auf meinem Zimmer bin? Schön, dass Du so großherzig bist. Wenn ich an die Kerze denke, werde ich mir das wohl merken können.
Das mit der Kerze hast Du aus einer alten Mönchsgeschichte? Von vor anderthalb Jahrtausenden? Gut, dass man sie aufgeschrieben hat. Und sag mal, was war noch der Spruch von neulich? Aber eigentlich egal. Ich werde mir die Geschichte mit der Kerze merken. Die passt noch viel besser.
Quelle: Apophthegmata Patrum 333
Ein Licht aufgehen lassen
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