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Helmuth von Moltke - ein Held?
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Schwierige Situationen kann man besser aushalten, wenn man im Alltag von einem Partner oder einer Partnerin unterstützt wird.
Ganz besonders gilt das für Extremsituationen. Das sitzt einer in Haft und die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof steht kurz bevor. Es ist Helmuth James Graf von Moltke, der wegen seiner Kritik am Nazi-Regime in Berlin-Tegel einsitzt. Seine Frau Freya und er teilen ihren Alltag in Briefen.
Sprecherin: (Freya von Moltke) 4. Januar 1945 Mein liebes Herz, die Wäsche ist gewaschen,
morgen wird es ruhiger. Als wir die Wäsche hängen hatten und Bohnenkaffee und Semmeln gegessen hatten, ging Dorothee mit Sohn einkaufen, und ich saß hier still und las [in der Bibel den Text für den heutigen Tag aus dem](
) Korintherbrief; es war heute kein so besonders schönes Stück, aber das Lesen war schön, und ich war Dir ganz nah. - Mein Herz, es gibt nichts Neues. Es war heute ein voller Tag und dann verschwindet die Existenz der Seele unter der Geschäftigkeit.
Soll ich Tee oder Kaffee in der Thermoskanne für Dich geben? (S. 450)
Sprecher: (Helmuth James Graf von Moltke) (Brief 5.1.45 (S. 453) und Brief vom 4. Januar 1945 (S. 449)) Mir fehlen zu meiner Ausrüstung noch:
2 Schachteln Streichhölzer und Sicherheitsnadeln. (
) Zu meinem Tode habe ich gar nichts mehr zu schreiben. Du weißt alles ganz genau. Ich bin wahrlich kein Heroe, habe auch keine Lust zu sterben, aber irgendwie wird es mir schon gelingen, dass ich keinen Augenblick dabei vergesse, dass ich in Gottes Hand bin und bleibe, ja ganz fühlbar in seine Hand zu fallen im Begriff bin. Er wird mir schon dazu helfen. Und dich, mein liebes Herz, wird er auch zu trösten wissen; auch darüber bin ich viel unbesorgter als vor einigen Monaten. Es ist eine große Gnade, dass wir wechselseitig über einander so ruhig und beruhigt sein können. Noch aber dürfen, ja müssen wir bitten, dass Gott mein Leben erhalten möge; da seine Handlungen über dem Kausalgesetz stehen und unabhängig von ihm sind, so gibt es genau so wenig einen Grund, warum er mich umbringen lassen will, wie es einen Grund gibt, warum er mich leben lassen will. Ist Gott denn ungerecht?, fragt Paulus an einer Stelle, (
) Das sei ferne [heißt es da]; aber wer bist du denn, dass Du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Topf zum Töpfer: warum machst du mich so? (
) Das ist alles sehr schön, und wenn wir nur fähig wären, uns die Welt ohne Kausalgesetz vorzustellen, wäre das Glauben überhaupt viel leichter. Aber das können wir eben genauso wenig, wie wir aus Raum und Zeit heraus können.
Autorin: Dem Ehepaar gelingt es, im Abschied jeden Augenblick bewusst zu leben. Sie geben sich nicht geschlagen.
Sie teilen ihren Alltag, es geht um Ausrüstung für die Verhandlung: Sicherheitsnadeln und Streichhölzer, Wäsche und Lebensmittel und um eine Stärkung aus der Thermoskanne. Kleine Inseln der Unterstützung mitten im Ringen um eine sachliche Verhandlungsebene: Helmuth James von Moltke konnte und wollte seine kritische Position zum NS-Staat aus Sicht eines evangelischen Christen nicht verschweigen. Er blieb aber auch dabei, dass er als Christ nie Gewaltakte gefördert hat. Kein Held, aber einer, der vor Gott verantworten will, wie er in dieser Welt handelt.
Freya und Helmuth: Beide wissen: wir sind von einer äußeren Katastrophe bedroht, und fester geborgen denn je. (S. 455)
Mir machen die beiden Mut für meinen Alltag, meint Ihre Pfarrerin Viktoria Keil aus Barntrup.
Alle Zitate aus: Helmuth James und Freya von Moltke: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel. September 1944-Januar 1945; Verlag C.H. Beck Herausgegeben von Helmuth Casper von Moltke und Ulrike von Moltke 2011.
Helmuth von Moltke - ein Held?
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