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Das Urteil vor dem Volksgerichtshof
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Leben ist mehr als das, was unmittelbar vor Augen steht.
Im Glauben bin ich mir bewusst, dass ich nur einen Ausschnitt des Ganzen erkenne. Aber diesem Ausschnitt kann ich vertrauen. Im Glauben gewinne ich Mut, dem ganz Fremden zu begegnen: Anderen Menschen und anderen Glaubensinhalten.
Zurzeit der Nazi-Diktatur kamen auf dem Gut Kreisau im damaligen Schlesien Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher religiöser Prägung zusammen. Zu ihnen gehörte Helmuth James von Moltke. Er hatte sich in vielen Gesprächen Standpunkte im Glauben erarbeitet. Und so konnte er Auskunft geben über seinen christlichen Glauben. Besonders zwei biblische Texte waren ihm wichtig geworden: die Bergpredigt und der der Brief des Apostels Paulus an die Römer.
Auf seinem abseits liegenden Landgut Kreisau trafen sich weitsichtig Denkende, die ein demokratisches System nach dem NS-Regime überlegten. Die Grundlage dafür waren christliche Handlungsmaßstäbe. Zum Kreisauer Kreis gehörten neben Helmuth von Moltke auch der katholische Geistliche Alfred Delp und der evangelische Theologe Eugen Gerstenmeier.
In Gefängnis in Tegel waren sie in nebeneinander liegenden Gefängniszellen eingesperrt und wurden einer Verhandlungssache zugeordnet.Helmut James von Moltke erkennt für sich: Es gilt zu tun, wozu die Bergpredigt uns aufruft: Selig sind die Gewaltlosen, denn sie werden das Land erben. (Mt 5,5 Zürcher Übersetzung)
Auch wenn wir scheitern. Wir bleiben ganz auf Gottes versöhnendes Handeln angewiesen, meint von Moltke, wie Jesus es im Matthäus-Evangelium empfiehlt: Bittet, so wird euch gegeben. (Matthäus 7,7) Gott unterstützt uns, weil wir ihn bitten. Nur so ist es möglich, gewaltlos Widerstand zu leisten. In einem Brief an seine Frau, am Ende des Prozesses vor dem Volksgerichtshof am 10. und 11. Januar 1945 schreibt Helmuth von Moltke:
Sprecher: (Helmuth James Graf von Moltke) (11. Januar 1945 (S. 478)) Das Dramatische an der Verhandlung war letzten Endes folgendes: In der Verhandlung erwiesen sich alle Vorwürfe als unhaltbar, und sie wurden auch fallengelassen. Nichts davon blieb.
Autorin: Warum wurden Moltke, Delp und Gerstenmaier zum Tode verurteilt? Eigentlich konnte man ihnen nichts nachweisen. Außer dass sie miteinander geredet hatten: Zwei Geistliche beider Konfessionen, mit einem Jesuitenprovinzial und mit einigen Bischöfen. Gegenstand der Gespräche waren keine Putschversuche und keine Umsturzpläne. Alle Anklagen wurden niedergeschlagen, beweisbar war nichts. Denn die Gespräche wurden geführt ohne die Absicht, irgendetwas Konkretes gegen das Nazi-Regime zu tun oder zu planen.
Sprecher: (Helmuth James Graf von Moltke) (derselbe Brief S. 478)
besprochen wurden praktisch-ethische Forderungen des Christentums. Nichts weiter; dafür allein werden wir verurteilt. Freisler sagte zu mir in einer seiner Tiraden: Nur in einem sind das Christentum und wir gleich: wir fordern den ganzen Menschen!
Autorin: Der NS-Richter Freisler konnte diese Freiheit des Denkens und den festen Glauben an Jesus Christus, der den Weg der Gewaltlosigkeit bis zum Ende geht, nur als Gefahr für die Nazis erkennen. Darum bleibt der Weg der Gewaltlosigkeit bis heute der Weg der Religionen. Menschen sind ihn mutig vorausgegangen. Selig die Gewaltlosen, denn sie werden das Land erben, heißt es in Jesu Bergpredigt.
Suchen wir miteinander den Frieden und jagen ihm nach meint Ihre Pfarrerin Viktoria Keil aus Barntrup.
Alle Zitate aus: Helmuth James und Freya von Moltke: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel. September 1944-Januar 1945; Verlag C.H. Beck Herausgegeben von Helmuth Casper von Moltke und Ulrike von Moltke 2011.
Das Urteil vor dem Volksgerichtshof
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