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Vertrauen in der Krise
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Wie entwickeln Menschen in Krisen die Kraft, trotz allem durchzuhalten? Das Leben zu gestalten und nicht bloß zu ertragen?
Das Ehepaar Helmuth und Freya von Moltke lebte es vor. Während des 2.Weltkieges war Helmuth von Moltke verhaftet worden und es drohte seine Verurteilung zum Tod. Das Paar schrieb sich heimlich Briefe. In ihnen sind die Kräfte dokumentiert, die die beiden trugen.
Helmuth James von Moltke wurde Anfang Januar 1944 wegen konspirativer Tätigkeit gegen das NS-Regime von der Gestapo verhaftet. Um ihn hatten sich Persönlichkeiten gesammelt, die in moralischen und juristischen Fragen eigenständig und kritisch dachten: der so genannte Kreisauer Kreis. Dazu gehörten evangelische und katholische Christinnen und Christen und Sozialdemokraten. Sie entwarfen ein demokratisches System, das dem NS-Staat folgen sollte. Der Kreisauer Kreis und Moltke selbst waren zwar am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 nicht beteiligt. Aber es gab viele Verbindungen.
Nach seiner Verhaftung blieb Graf Moltke bis September 1944 im Gefängnisflügel des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück inhaftiert und kam dann in das Gefängnis in Berlin-Tegel. Hier ist der Gefängnispfarrer Helmut Poelchau tätig. Er geht das Risiko ein, den geheimen ersten Brief von Freya von Moltke ins Gefängnis zu schmuggeln. Ihm sollten viele folgen:
Sprecherin: (Freya von Moltke) (1 S. 37f) Berlin am 29. September 1944: Mein Jäm, mein Herz, wie schön, dass ich dir noch einmal richtig schreiben kann.
Mein Herz, ich glaube ganz genau zu wissen, wie es in dir aussieht, ich bin zwar weit hinter dir zurück und werde es bleiben, aber deshalb gehöre ich doch zu dir und so bleibt es auch immer. Ich werde leben müssen und das wird schwer sein, aber es wird gehen, denn ich werde Dich weiter lieben dürfen. Ich werde dich in Gott lieben. Du hast doch noch ein schweres Stück zu gehen, aber da du nie gern gelebt hast, musst du eigentlich die Aussicht auf dein Lebensende nicht unangenehm finden
Ich weiß Dich so fest in Gottes Hand.
Mein Herz, ich mache mir keinerlei Vorstellungen über das Leben nach dem Tode. Sie wären doch falsch, aber es ist uns ja genug offenbart und unser Gefühl ist stark und klar, also glaube ich, glaube dankbar und werde immer mehr und tiefer sehen und glauben.
Um unser, der Söhnchen und mein Leben, machst Du Dir ja keine Sorgen. Ich fürchte mich garnicht. Das werden wir schon fertig bringen, mit und ohne Kreisau, mit und ohne Geld, mit und ohne Kommunismus.
Sprecher: (Helmuth James Graf von Moltke) (2 S. 39f) (30.9.1944) Wir werden jetzt Tag und Nacht gefesselt und dadurch ist das schreiben sehr schwierig
Du wirst hoffentlich gesehen haben, dass es mir gut geht, überraschend gut für die Umstände
Die Wachtmeister hier im Gefängnis sind sehr freundlich und bereit alles zu tun, was möglich ist; aber gegen die Anordnung, dass wir ständig zu fesseln sind, sind sie natürlich machtlos
. Ich will vor allem wiederholen, dass meine Seelenlage ganz gesichert erscheint,
ob ich gefesselt bin oder nicht , Wanzen habe oder nicht, in kalter und dunkler Zelle sitze, nicht lesen und schreiben darf, nichts von dir höre und schließlich angebrüllt, geköpft oder erhängt werde, es wird immer das Gleiche bleiben: Ich weiß ganz genau, wo ich fest verankert bin: Über mir und neben mir, alles andere ist mir, so glaube und hoffe ich, in diesen Wochen ganz wurscht geworden.
Autorin: Ein Jahr lang konnten Freya und Helmuth einander schreiben. Beide Partner fühlen sich sicher verankert bei Gott. Sie sind überzeugt: Er wird sie halten auf dem Weg durch die dunkle Zeit, die bevorsteht. Ein tiefes Vertrauen, vor dem ich großen Respekt habe.
Ihre Pfarrerin Viktoria Keil aus Barntrup.
1 und 2 Helmuth James und Freya von Moltke: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel. September 1944-Januar 1945 Verlag C.H. Beck Herausgegeben von Helmuth Casper von Moltke und Ulrike von Moltke 2011.
Vertrauen in der Krise
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