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Geben und Nehmen
In Russland lächelt man sich auf der Straße nur äußerst selten an. Daran kann ich mich bis heute nicht dran gewöhnen.
Immer nahm ich mir vor genau so gleichgültig wie alle anderen Menschen freundliche Gesten entgegenzunehmen. Doch wollte einfach nicht klappen. Dieses verflixte Lächeln huschte immer und immer wieder auf mein Gesicht.
Als ich mein Auslandssemester in Russland plante, hatte ich an vieles gedacht: An Sprachkurse, eine Auslandskrankenversicherung und an warme Wollsocken. Woran ich aber gar nicht gedacht hatte war, dass ich hier auf größere kulturelle Unterschiede als in Europa stoßen könnte.
Für mich war klar: Wenn ich im Ausland bin, passe ich mich an. Doch in Petersburg musste ich mich zum ersten Mal fragen: Was mache ich, wenn er nicht nur um Essens geht, sondern um Freundschaften, Geschlechterrollen und das Miteinander mit anderen Menschen?
Und so habe ich in den Monaten am meisten über mich selber gelernt. Dass ich mich im Ausland nicht verbiegen muss, nur um nicht aufzufallen. Denn dass ich so bin, wie ich bin, hat seine Gründe. Gute Gründe. Ich bin auf meinem Lebensweg von vielen Menschen und Erlebnissen geprägt worden. So wie ich nach Russland gegangen bin, um die Kultur besser kennenzulernen, kann auch ich einen Teil meiner Kultur weitergeben. Das Leben ist ein Geben und Nehmen.
Ich habe also weiter Menschen in Petersburg angelächelt. Und manchmal hat tatsächlich einer zurückgelächelt.
Sprecher: Daniel Schneider
Geben und Nehmen
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