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Boxen als Lebenstraining
Äußerlich kannst du stark sein wie du willst, aber wenn du im Herzen und in der Seele schwach bist, verlierst du jeden Kampf. Nicht nur im Ring, sondern auch im Leben.
Autorin: Das sind Sätze wie aus einem Coaching für Manager, die Timur Musafarov hier fast beiläufig von sich gibt. Der 25-jährige gebürtige Usbeke kennt sich aus im Überlebenskampf, nicht gerade auf den Chefetagen auch wenn dort manche von ihm lernen könnten - umso besser aber auf den Straßen der Multikulti-Viertel im Ruhrgebiet. Und im Boxring natürlich. Denn Musafarov ist Profiboxer im Cruiser-Gewicht. Und Trainer im Sportzentrum des evangelischen Weigle-Hauses in Essen, Treffpunkt für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Der Kurde Gowad etwa, den sie Kalaschnikow nennen, trainiert bei Timur:
O-Ton: Der bringt einem bei zu boxen natürlich, aber das jetzt nicht um rauszugehen, um andere zu schlagen, sondern das ist eigentlich Disziplin: Die Aggression lässt man die raus, anstatt rauszugehen und irgendwelche zu schlagen, geht man halt beim Training kaputt.
O-Ton: Trainingsatmo aus dem Fitnessraum
Autorin: Die Jungs, die sich hier im Fitnessraum tummeln, kommen aus aller Welt: Türkei, Libanon, Angola, Russland oder Irak. Etliche sind polizeibekannt und mit manchen möchte man nachts nicht allein an der Bushaltestelle stehen. Alles eine Sache der Perspektive, meint der Boxer Timur Musafarov, ein sanft wirkender kahl rasierter Muskelmann, der auf martialisches Gehabe verzichtet. Kann er auch. Denn seine Autorität hängt nicht nur von Muskeln und Medaillen ab. Dass er sich als Profi in der kirchlichen Jugendsozialarbeit engagiert, hat mit seinem Menschenbild zu tun. Und mit seinem christlichen Glauben. O-Ton: Für mich sind die Kinder, weil, ich bin auch ein Kind und ich mag dieses Wort Kinder, weil wir sind vor Gottes Augen immer alle Kinder - Jugendliche sind es natürlich! (lacht) ja, ich liebe euch auch - die Jungs, denen man auf der Straße schon mal begegnet, wenn es Stress gibt oder so - - aber dann, wenn sie hier durch sind und bleiben, dann ändern sie sich natürlich, entwickeln sie sich weiter... Autorin: So wie er selbst sich entwickelt hat: Der Vater Usbeke, die Mutter deutschstämmig kommen sie als Aussiedler hierher, Timur beginnt mit 14 zu boxen, schlägt sich auf der Straße im Essener Norden durch, macht Fachabitur und mit 19 ein Soziales Jahr im Weigle-Haus. Während andere in Gewalt oder Gefängnis abrutschen, setzt er auf Training und gewinnt schon als Amateur zweimal Bronze bei deutschen Meisterschaften. Die Liebe seiner Mutter hat ihn getragen, meint der Boxprofi heute, und andere Vorbilder.
O-Ton: Das Glauben ist mir sehr wichtig, weil ich Jesus sozusagen als mein Vorbild nehme, weil ich es richtig finde, wie er sich das Leben vorgestellt hat. Durch den Glauben kriegst du auch Kraft, Durchhaltevermögen in schwierigen Situationen. Und dann vergisst du auch nicht, wofür du lebst, wofür du glücklich sein sollst.
Autorin: Jesus als Vorbild und die Liebe als Leitmotiv für Boxtraining, Streetwork und Sozialarbeit, das klingt ziemlich schräg für jemanden, der schon von Berufs wegen hart zuschlagen muss. Aber Timur Musafarov winkt ab, nein, für ihn ist das kein Kontrast. Denn Boxen, das ist Lebenstraining: Du musst Ausdauer haben, nicht aufgeben, Schulabschuss, Ausbildung, ein Beruf, darum geht es, sagt er den Jugendlichen. Und besucht auch deren Eltern, Lehrer und Jugendämter. Etwa 120 Jugendliche kommen jede Woche in die Turnhalle der Kirchengemeinde, bei ihnen kommt die Botschaft an:
O-Ton: Timur ist halt so der große Bruder, der Babba hier (lacht) der passt auf alle auf, der guckt, dass es nicht so viel Stress gibt, der ist ne Vorbildfigur für uns, wie ne Identifikationsfigur, sagen wir mal so
Boxen als Lebenstraining
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