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Der Heilige Geist und die Muttersprache der Liebe
Liebe Gemeinde,welche Sprachen verstehen Sie? Sie denken vielleicht an Deutsch oder Italienisch, Schwedisch oder Türkisch, Arabisch, Englisch oder Portugiesisch,
Chinesisch oder Suaheli.
Sprachen, die Menschen als Muttersprache gelernt oder später dazu erworben haben. Für den Urlaub, für eine Partnerschaft, für den Beruf. Es gibt viele Sprachen und es gibt eine Sprache der Herzen. Die Sprache des Heiligen Geistes die Sprache der Liebe. Diese Sprache zu sprechen ist allen Menschen weltweit als Muttersprache in die Wiege gelegt.
Haben Sie gelernt, diese Sprache zu sprechen und auf sie zu hören? Es ist eine Sprache, die bewegt. Menschen, die bitter zerstritten und entzweit sind, die sich fremd waren - sie verstehen sich, hören einander zu, lassen sich von Begeisterung anstecken. Wo die Sprache der Liebe, die Sprache des Geistes Gottes gesprochen wird, öffnen sich Herzen und Ohren.
Daran erinnert das Pfingstfest mit seiner verheißungsvollen Geschichte von den Jüngerinnen und Jünger, die die Botschaft den Menschen aller Völker und Sprachen in Herz schrieben: Jesus lebt! Er ist nicht im Tod geblieben. Die Gewalt hat nicht das letzte Wort. Die Liebe ist unzerstörbar.
Die Geschichte von Pfingsten, von der Ausgießung des Heiligen Geistes, macht die Welt hell, warm. Und diese heilende, verbindende Kraft und Sprache braucht die Welt. Zu Beginn der Bibel steht die Erzählung vom Turmbau zu Babel. Das Sinnbild für die Sprache der Zerstörung und des Hasses, der Trennung und Entzweiung. Ohren und Herzen verschließen sich. Die Menschen verstehen einander nicht mehr.
In der Pfingstgeschichte genau wie in der Erzählung vom Turmbau zu Babel geht es um das Verstehen und um die Sprache. In Babel wollen Menschen einen Turm bauen bis zum Himmel. Sie wollen ein Symbol ihrer Macht und Großartigkeit bauen. Von Gott ist hier nicht die Rede, mit ihm scheinen sie nicht zu rechnen. Ein Turm muss her, zu dem alle Welt aufschauen kann und der ein Mittelpunkt ihres Reiches ist. Sie erhoffen sich Einheit und Größe. Sie wollen sich einen Namen machen, heißt es.
Wer will sich hier einen Namen machen und wie viel Namenlose müssen dafür ihren Rücken krumm machen? Der Plan scheitert. Keine Einheit und keine Größe und auch kein Name, der untrennbar mit diesem Turm verbunden ist. Das ehrgeizige Unternehmen zerbricht daran, dass die Menschen sich nicht mehr verstehen.
Gott verwirrt ihre Sprachen, so heißt es in dieser Geschichte. Aber musste Gott dazu überhaupt aktiv werden? Vielleicht musste er auch einfach nur abwarten und zuschauen, wie die unheilvolle Entwicklung ihren Lauf nimmt Die Menschen in Babel verstehen sich nicht mehr, weil sie plötzlich nur noch in der Sprache des Mach-baren, des Sicht- und Zählbaren sprechen. Sie haben nur noch Erfolgs-Zahlen von Mauerstärken, Höhen-Zahlen und Ziegel-Mengen im Kopf. Sie reden nur noch von der Ergiebigkeit ihrer Lehmgruben, von der Tragfähigkeit von Gerüstbrettern, von der Holz-Qualität und den täglich zu leistenden Arbeitsstunden. Sie fragen nicht mehr danach, was der andere braucht, um leben zu können.
Der Turm wächst in ihren Köpfen und Gedanken noch schneller als der wirkliche Turm. Sie können nur noch in Turm-Kategorien denken und sprechen. Sie vergessen sich anzusehen, sich aneinander zu freuen. Sie staunen nicht mehr über Sonnenuntergänge und Meeresrauschen. Sie achten nicht mehr auf den Duft von Blumen. Sie vergessen, mit ihren Kindern zu spielen oder ihre Katzen zu streicheln. Kurz: Sie vergessen, wie man miteinander spricht, wenn es mal nicht um Ziegel, Höhen-Meter, Tagesleistungen geht. Gott setzt dem ein Ende sein Handeln ist fürsorglich. Er sorgt dafür, dass die Planer des Größenwahnsinns getrennt werden. Sie können keinen mehr knechten und müssen Abstand nehmen. Es fließt kein Blut und Gott schlägt sie nicht. Er trennt sie, sie müssen verschiedene Wege gehen und können nicht mehr zusammen leben und streiten.Ihr gegenseitiges Überbieten und Prahlen hat ein Ende.
Sie haben vergessen, wie man mit dem Herzen spricht, denn dafür braucht man keine Worte. Es geht uns heute ganz ähnlich. Nur unsere Türme sehen anders aus. Wir erheben unsere Vorstellungen zu Idealen, die für alle gelten sollen. Und wir meinen, das sei gut für die anderen. Ein modernes Ideal heißt Zertifizierung. Die Sicherstellung von Qualitätsstandards nach DIN-Normen. Die Zertifierungseuphorie macht auch vor der Krankenpflege und der Betreuung von Sterbenden nicht halt. Es ist geregelt wie ein Sterbender versorgt werden soll.
Jeder Pflegeaufwand wird in so genannten Zeitmodulen festgelegt. 2 Minuten zum Kämmen, 5 Minuten fürs Rasieren, 3-6 Minuten für den Stuhlgang. Jeder weiß, dass dies eigentlich nicht standardisierbar ist. Für das Gespräch mit einem Pflegebedürftigen gibt es kein Zeitmodul. Die Schwestern der Diakoniestationen und Pflegedienste nehmen sich diese Zeit trotzdem. Die Sprache der Liebe kann nicht in Zeitmodulen abgerechnet werden. Das Sterben auch nicht - - keiner stirbt entsprechend einer DIN -Norm Der Turm der Objektivierbarkeit wird da gebaut.
Das ist nur ein Beispiel dafür, wie bei uns heute Türme gebaut werden, die mit den Bedürfnissen des Einzelnen nichts zu tun haben. Wir meinen, wir hätten alles im Griff und alles kann vereinheitlicht werden. Wir reden von Zeitmodulen und nicht mit dem Menschen. Wir reden viel zu oft von Dividenden und Renditen, von Zinserträgen und Aktienkursen.
Und denken zu oft an die Leistung, die sich lohnen muss und an das Nächste, was alles noch geschafft oder finanziert werden soll. Möglicherweise verstehen wir uns heute manchmal nicht, weil wir über das Wichtige nicht reden und zu viel über das Unwichtige. Andersdenkende verstehen wir nicht. Zu oft sind wir gefangen von dem ständigen Streben nach Gewinn, Erfolg und Fortschritt.
Und meist bleibt dabei keine Zeit mehr für Gefühle, Empfindungen, keine Zeit zum Zuhören. Keine Zeit für Stille und zum Hören, was ich brauche und der andere eigentlich braucht. Das alles ist menschlich verständlich. Wir stehen oft in Zwängen, beruflich und privat, aus denen wir nicht so leicht herauskommen. Aber zum gegenseitigen Verstehen trägt es nicht bei. Und so leben auch heute Menschen nebeneinander her, ohne dass einer den anderen versteht.
Die verbindende und verbindliche Sprache kann dabei leicht abhandenkommen. Und dabei spüren wir, dass es eigentlich anders sein müsste. Tief in uns wissen wir, was uns und unseren Nächsten gut tut. Tief in unserem Herzen wollen wir mehr von der Liebe Gottes leben und danach handeln.
In-a my heart, Lord, I want to be a Christian, In-a my heart Lord, I want to be more loving
Musik: Chor Zwischentöne In´a my heart
TEIL 2
Liebe Gemeinde, zu Pfingsten in Jerusalem ist nun genau das Entgegengesetzte von dem passiert, was in Babel geschah: Menschen fangen an, sich zu verstehen. Menschen aus ganz verschiedenen Völkern - mit unterschiedlicher Sprache und Hautfarbe sie sprechen plötzlich eine Sprache. Eine Sprache, die Menschen berührt, die von Herz zu Herz und von Seele zu Seele geht.
Eine Sprache die wahrnimmt, was der andere braucht. Es ist die Sprache der Liebe. Aber es ist nicht ihre eigene Liebe oder ihre eigene Leistung, dass sie sich verstehen: Es sind die Sprache der Liebe Jesu Christi und die Kraft des Heiligen Geistes. Die gute Nachricht: Jesus, der am Kreuz umgebracht wurde, lebt. Die Gewalt hat nicht gesiegt. Die Liebe ist unzerstörbar. Diese Nachricht bewirkt, dass Menschen sich mit anderen Augen sehen und mit anderen Ohren hören. Gottes Geist sorgt dafür, dass Menschen sich verstehen lernen. Gottes Geist lässt Menschen aneinander teilhaben und Anteil nehmen. Gottes Geist lässt uns spüren:
Wir sind verschieden UND wir gehören zusammen, weil Christus uns miteinander verbindet. Das haben wir in Hillentrup in einem besonderen Gottesdienst erfahren können. Zusammen mit unserer Nachbargemeinde Spork-Wendlinghausen haben wir eine Partnerschaft mit der Gemeinde Alexandra in Südafrika. Unsere Partnergemeinde liegt in einem Township, einem Armenviertel, in der Nähe von Johannesburg.
Im Februar dieses Jahres fanden gleichzeitig hier und in Alexandra zwei Partnerschaftsgottesdienste statt. Die Jugendlichen hier hatten die Idee, in dem Gottesdienst miteinander zu skypen, also über das Internet und mit einer Webkamera zu telefonieren. Dazu bauten wir in Hillentrup und Alexandra Leinwände in der Kirche auf. Computer mit Kameras wurden aufgestellt. So vernetzten wir uns über das Internet und nahmen gegenseitig an unseren Gottesdiensten teil. Soweit die Idee. Die Technik in Alexandra war 100%ig organisiert.
Bei uns haperte es ein bisschen. Wir waren zunächst enttäuscht: Die Bilder waren zwar scharf und lebendig, aber wir hatten kaum Ton, es kamen nur wenige Fetzen an. Sprachfetzen - Gesprächsfetzen. Fetzen von Liedern und Gesang.Geistesgegenwärtig kam einer auf die Idee, wie die schlechte Verbindung auszutricksen ist: Wir haben doch ein gemeinsames Lied, sagte er We are marching in the light of god.
Wir hatten es beim Besuch unserer Partner im April 2011 hier in dieser Kirche gemeinsam gesungen. Wir hatten uns fröhlich dazu bewegt und getanzt. Daran erinnerten wir uns jetzt. Und weil der Ton so schlecht war, schrieben unsere Jugendlichen spontan nach Alexandra: Lasst uns Si-ya-ham-ba We are marching in the light of god singen! Wir gehen im Lichte Gottes!
Gemeinsam und doch an verschiedenen Orten. Knapp 9000 km trennen uns, aber der Gesang verbindet uns. Und dann sahen wir auf unserer Leinwand, wie die Menschen in Alexandra sich von ihren Stühlen erhoben. Sie begannen zu singen und sie lachten und jubelten dabei. Wir in Hillentrup hörten weiterhin nur Bruchstücke des Liedes, das uns über Tausende von Kilometern hinweg verband. Unsere Freunde in Südafrika begannen begeistert zu klatschen. Und jetzt erhoben auch wir uns von unseren Plätzen und begannen zu klatschen und zu singen.
Musik: Chor Zwischentöne We are marching
TEIL 3 Wir wandeln im Licht Gottes. Obwohl wir nur die Bilder hatten und nur wenige Klangfetzen bei uns zu hören waren, waren wir die Gemeinde in Alexandra in Südafrika und wir in Hillentrup - plötzlich eins in unserer Begeisterung für Jesus Christus, für seine Liebe, in seinem Geist. Das ging durch und durch. Das hat alle, die dabei waren, angerührt. Auf beiden Seiten glänzende Gesichter und glänzende Augen.
Nur Bilder und verzerrte Klänge. Aber eine Idee. Gottes Geist hatte uns verbunden, allen technischen Schwierigkeiten zum Trotz. Das war wunderbar und ergreifend. Wie ein Pfingstfest im Kleinen. Und doch ganz großartig und zutiefst berührend. Wir haben es erfahren können: Gottes Geist spricht die Sprache der Liebe. Er baut Brücken in einer Welt der Gegensätze. Er führt uns zusammen, auch wenn wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Er erinnert uns an die Sprache, die alle Menschen sprechen. Die Sprache des Herzens und die Sprache der Liebe.
Diese Sprache besteht nicht aus Worten, die missverstanden werden können, sondern aus Zeichen, aus Gesten, aus Blicken und aus Musik. Wenn wir einem Trauernden unser Mitgefühl ausdrücken wollen, dann brauchen wir nicht unbedingt viele Worte Dann berühren wir ihn. Ein Händedruck vielleicht, oder eine Umarmung. Ein stummes Nicken oder ein Blick durch Tränenschleier. So überwinden wir eigene Sprachlosigkeit.
Wo Menschen im Geist Gottes handeln, da überwinden sie die Sprachverwirrung. Wenn sie sich einander zuwenden, überwinden sie die Barrieren, die durch Sprache, Kultur oder Anderssein zwischen ihnen stehen.
Die Sprache des Friedens und der Liebe hat ein anderes Muster als die Sprache des Turmbaus, die Sprache der Profilierung und des Wettbewerbs. Christinnen und Christen glauben: Es ist der Heilige Geist, der uns befähigt, immer wieder die Sprache der Liebe zu suchen und zu sprechen. Die Sprache der Liebe, die heilt, tröstet, Frieden zuspricht, wo Menschen sich selbst und einander erbittert bekämpfen. Es ist der Heilige Geist, der uns lehrt, die Sprachmuster des Turmbaus zu Babel abzulegen, unseren Egoismus zu überwinden und auf die Wirkung des Heiligen Geistes zu vertrauen Wo Gottes Geist, die Sprache der Liebe wirksam wird, stimmen Menschen ein in das gemeinsame Lob der großen Taten Gottes.
Möge dieser Geist auch uns erfüllen, damit es Pfingsten wird in unseren Herzen, in unseren Häusern, in unseren Gemeinden und in der Welt. Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen
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