Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.05.12; Präses Nikolaus Schneider

Mit Gottes Wind im Rücken

„Möge der Wind immer in deinem Rücken sein“ – heißt es in einem irischen Segenswort. Liebe Hörerin, lieber Hörer, das gilt nicht nur für den Fahrradausflug zu Pfingsten.

Wind im Rücken, nicht von vorn. Manchmal brauchen wir genau das: Wind im Rücken, der meinen schweren Weg leichter macht, mich kraftvoll vorantreibt, wenn ich mit meiner Kraft am Ende bin. Auch so wirkt der Geist Gottes. Befreiend. Belebend. Das haben die Frauen und Männer zu Pfingsten erlebt, die zu Jesus gehörten.

Da wurde das Haus, in dem sie saßen, „erfüllt von einem gewaltigen Wind“. Sie saßen dort nach Jesu Tod wie versteinert. Begegnungen mit dem Auferstandenen brachen zwar die Übermacht der Angst und ließen Hoffnung aufkeimen - aber war dem zu trauen? Und wie es weitergehen sollte, das war keiner und keinem klar. Woran sollten sie sich orientieren, wohin sollten sie gehen? Das steinerne Haus – es steht für sie selbst, für die verängstigten und versteinerten Herzen. Doch der Wind vom Himmel, ein Symbol für Gottes Geist, vertreibt ihre Angst und treibt sie an, sich endlich wieder zu bewegen. Auf die Menschen zuzugehen statt sich in ihrer Trauer einzuigeln. Groß war ihre Angst, klein war ihr Zutrauen zu Gottes Macht.

Sprecherin: „Fürchtet den Herrn und dient ihm treu von ganzem Herzen; denn seht doch, wie große Dinge er an euch getan hat.“ (1. Samuel 12,24).

„Fürchtet den Herrn“ – diese Aufforderung des Propheten Samuel war schon zu Lebzeiten der Jüngerinnen und Jünger Jesu über tausend Jahre alt. Und sie kannten diese Worte. Samuel will uns keine lähmende Angst vor Gott ans Herz legen. Ihm geht es um Gottesfurcht, die Menschen zum Handeln befreit. Eine Gottesfurcht, die Ehrfurcht ist und die mit dem Vertrauen verbunden bleibt: Der ewige und für uns Menschen unfassbare Gott will seinen Menschen nahe sein und tut „große Dinge“ an ihnen. Samuel zieht Lebensbilanz und ruft seinen Zeitgenossen zu: Ihr seid so oft in die Irre gelaufen und habt hohe Preise dafür zahlen müssen. Aber Gott war treu und hat euch immer wieder gerettet, aus der Sklaverei in Ägypten, aus der Verschleppung nach Babylon. Deshalb: Respektiert, vertraut und dient dem einen und einzigen Gott. Bindet euer ganzes Leben an ihn und nicht an menschliche Autoritäten mit totalitären Ansprüchen. Denn das führt zu Sklaverei und Ausbeutung. Gottes Weisungen und Ordnungen aber ermöglichen euch ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit.

Gott hält Wort. Und Menschen können auf sein Weggeleit in ihrem Leben vertrauen - das ist die Botschaft des Propheten. Gott hält Wort. Auch heute. Ich kann seiner Gegenwart vertrauen. Denn der ewige und unfassbare Gott wurde für Menschen fassbar: im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Jesus Christus ist für Christinnen und Christen das „lebendige Wort“ Gottes. Dieses lebendige Wort ist bis heute durch Gottes Geist erfahrbar. Das feiern wir zu Pfingsten – dem Fest des Heiligen Geistes.

Sprecherin: „Die sein Wort annahmen, blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“. (Apostelgeschichte 2,42)

Gottes Wort annehmen, das hat Folgen für mein Leben: Ich orientiere mich an den Lebensordnungen und Verheißungen der Bibel. Das ist Gottesfurcht. Und ich lebe meinen Glauben nicht für mich allein, sondern suche die Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen. Wir feiern im Abendmahl unsere Gemeinschaft mit Christus und unter einander.

Und wir lassen unser Gespräch mit Gott nicht abbrechen. Gott, der damals am Pfingstfest den Jüngern und Jüngerinnen zeigte: „Mein Heiliger Geist überwindet deine Mauern der Angst und gibt deinem Leben Rückenwind.“

An diesem Pfingstmontag mögen Sie das besonders erfahren – allein und in Gemeinschaft, das wünscht Ihnen: Ihr Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Audiobeitrag Mit Gottes Wind im Rücken


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