Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.06.12; Pastorin Beate Raguse

Resonanz

Musik: Pink Floyd: Is there anybody out there? Autorin: Ist da draußen jemand? Es war vor genau dreißig Jahren als Pink Floyd im Film The Wall

immer wieder diese Frage stellte –  während  Pink  sich an einer unüberwindbaren  Mauer entlang tastete.  Hartmut Rosa – Professor für Soziologie - war damals 17  und schrieb an seinem ersten Roman. Ist da draußen jemand?  Es war genau die Frage, die ihn umtrieb.  

O-Ton: Die Frage, wann wir  uns als Menschen in der Welt getragen fühlen, wann wir das Gefühl haben, wir stehen in einem System einer Umwelt. die uns trägt, die uns vielleicht sogar gütig begegnet, oder aber in einer Welt, in die wir uns hineingeworfen fühlen, weil sie uns kalt und fremd und feindlich oder zumindest höchst gleichgültig gegenübersteht. ) 

Autorin: Dieses Thema beschäftigt Rosa bis heute. Der Soziologieprofessor aus Jena nennt es die Frage nach der Resonanz.  Er glaubt, dass Leben dort gelingt..

O-Ton: , wo man das Gefühl hat, (dass man in Resonanzverhältnissen steht, dass die Welt da draußen - und die besteht dann eben aus Menschen, aus Dingen auch aus der Natur -  dass die mit uns so was wie ein Antwortverhältnis bilden, ein Austauschverhältnis, dass man sich in der Welt angenommen fühlt. dass man das Gefühl hat das Weltverhältnis ist ein positives ein antwortendes oder sogar ein atmendes.

Autorin: Solche Erfahrungen machen wir in Beziehungen,  wo gemeinsame Aktivitäten und Anerkennung uns das Gefühl des Getragenseins vermitteln. Aber auch in der  Kultur kann Resonanz  erfahren werden, in der Kunst, in der Natur und im Glauben.

O-Ton: Das Paradebeispiel dafür ist natürlich das Gebet, bei dem man ja wirklich  einen Gott „O, Herr“ anruft in der Annahme, dass von dort etwas zurückkommt, dass da zwischen uns und dem da draußen eine Beziehung besteht, die nicht einfach instrumenteller Natur ist.

Autorin:Alles ganz einfach, könnte man meinen. Doch Rosa macht tagtäglich eine andere Erfahrung: Die schnellen Veränderungen, der Wechsel von  Arbeitsstellen oder Nachbarn und  die immer schnellere Kommunikation mache es schwer, sich zu verorten.

O-Ton: Ich glaube, dass die Herstellung von Resonanzbeziehung zeitintensiv ist, , dass sieht man z.B. im Pflegebereich, aber auch in der Schule, bis sich zwischen Lehrern und Schülern so was wie ein Vertrauensverhältnis ausbildet, oder eben zwischen Pflegenden und Kranken, in dem Fall, da muss Zeit aufgewendet werden, die zum wechselseitigen Sich-ein--Schwingen nötig ist

Autorin: Wem diese Zeit fehlt, der erfährt nicht mehr, dass er etwas bewegen oder bewirken kann. Der erfährt keine Resonanz. Und kann darüber krank werden, meint der Soziologe.

O-Ton: Ich denke, Burnout ist nicht die Folge davon, das wir viel zu tun haben oder schnell rennen müssen, sondern Burnout ist die Folge, wenn man das Gefühl hat,  dass man immer schneller laufen muss, ohne dass man sich irgendwo hinbewegt, wo es keine Entwicklungsperspektive mehr gibt und wo dann auch die Zeichen der Anerkennung ausbleiben.

Autorin: Kein Grund zu verzweifeln, meint Rosa. Er  ist überzeugt, dass jeder eine Idee davon hat oder Erinnerung daran, wie es war, Welt auf eine Weise zu erfahren, die erfüllend ist, die das Gefühl des Getragenseins ermöglicht. Nur würden wir das manchmal vergessen.

O-Ton: Ich glaube Resonanzerfahrungen stellen ich häufig auch da ein, wo man wirklich Zeit verschwendet, weil man sie mit einem Kind verbringt zum Beispiel oder mal nen vertrauten Weg zu Fuß geht, nicht mit dem Ziel noch schnell etwas für die Fitness zu tun, sondern auf die Art und Weise des in die Welt gestellt seins achtet. Dann beginnen diese Resonanzachsen schnell wieder zu pulsieren.


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