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Der König mit der Dornenkrone
Wenn eine Sache erledigt ist, wenn nicht weiter darüber gesprochen zu werden braucht, weil nun das entscheidene Machtwort gesprochen ist, dann kann man auch sagen:
roma locuta causa finita, Rom hat gesprochen der Fall ist erledigt. Hier wird klar: Wer die Deutungshoheit über einen Sachverhalt hat, wer also bestimmt, wie eine Geschichte zu verstehen ist, der hat die Macht. Andere Meinungen gelten dann nicht mehr. Von solch einem Machtgebrauch erzählt die Bibel. Da ist der Römer Pontius Pilatus. Er hat das Sagen im Land Israel. Er ist der Gouverneur der Besatzungsmacht. Und er demütigt dieses aufmüpfige Völkchen Israel gern mit kleinen, aber empfindsamen Nadelstichen. Da passiert es, dass ein komischer Kautz angeschleppt wird: Jesus aus Nazareth, ein MöchtegernKönig; viele Leute jubeln ihm zu.Was will der eigentlich? Wahrheit...! Nett, aber er kann auch gefährlich werden. Das bemerken die religiösen Führer, die Priester und melden es dem römischen Machthaber. Sie möchten Jesus los werden. Sie behaupten: Dieser Jesus, der ist ein Aufrührer. Für Pilatus ist die ganze Angelegenheit ärgerlich. Aber gut, sie sollen ihren Willen haben, diese religiösen Anführer und Priester.
Und so lässt Pilatus diesem Möchtegern-König Jesus eine Krone aufsetzen - aus Dornen. Jesus wird gekreuzigt; die römische Hinrichtungsart für Verbrecher.
Sprecher: Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen; darauf stand: »Jesus von Nazaret, der König der Juden«. Der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nicht weit von der Stadt entfernt, deshalb lasen viele Juden diese Aufschrift.
Die führenden Priester sagten zu Pilatus: »Schreib nicht: 'Der König der Juden', sondern dass dieser Mann behauptet hat: 'Ich bin der König der Juden.'« Pilatus sagte: »Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.«1
Autor: Natürlich wollen die geistlichen Oberhäupter dies nicht so hinnehmen diese Beleidigung, als ob so ein heruntergekommener, aus der Provinz stammender Mensch ihr König sein könne. Doch Pontius Pilatus sagt mit seiner Schildaktion: Schaut ihn euch an, den verspotteten, verblutenden Kerl am Kreuz - so erbärmlich, so hilflos ist euer König so seid ihr alle; roma locuta causa finita.Rom hat gesprochen. Der Fall ist erledigt.
Oder auch nicht!? Denn immerhin wird diese merkwürdige Geschichte immer noch erzählt sie ist noch lange nicht beendet. Wie diese Geschichte zu verstehen ist, was und wer dahinter steckt, das bestimmt nicht Rom oder sonst irgendeine Machtzentrale. Auch die geistlichen Führer versagen sie liegen mit ihrem politischen Taktieren völlig falsch. Diese ganze Geschichte wird am Ende von Gott bestimmt und gedeutet. Gott holt Jesus aus dem Tod heraus und straft damit beide Lügen: die Priester und den römischen Gouverneur. Gott sagt mit Jesu Auferweckung: Das ist mein lieber Sohn - und ihr werdet noch sehen, wen ihr da hingerichtet habt. (nach Mk 9,7 und Joh 19,37) Das könnte nach einer Drohung klingen aber so, wie ich das Neue Testament verstanden habe, steckt in dieser scheinbaren Drohnung das genaue Gegenteil - ein überwältigendes Angebot. Das Johannesevangelium fasst dies Angebot so zusammen:
Sprecher: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3, 16) 2
Autor: Meine Bitte an Sie: Glauben Sie nicht den Drohbotschaften der roma-locuta-Leute oder solchen, die sich dafür halten. Es kann sein, dass Gott die Geschichten, unsere Geschichten noch ganz anders deutet. Und da sind dann die Schwachen die wahrhaft Mächtigen, da werden die Letzten die Ersten sein.
Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.
1 Übersetzung nach: Gute Nachricht, 1997 2 nach Luther (1984) und Gute Nachricht, 1997
Der König mit der Dornenkrone
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