Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.05.12; Pfarrer Eberhard Helling

Jesu Herrschaft - Himmelfahrt

Gehen Sie heute auch nach draußen oder sind Sie schon draußen gewesen? Haben Sie den Himmel gesehen –

ich weiß ja nicht ob er bei Ihnen gerade leicht bedeckt ist oder ob er voll hängt mit Wolken; natürlich wünsche ich Ihnen und mir, dass der Himmel heute strahlt. Auf jeden Fall ist dieser Himmel, den wir sehen ein wunderbares Bild für einen anderen Himmel. Es gibt laut christlichem Glauben nämlich einen Himmel, den wir nicht mit den Augen sehen können, der aber sehr viel gemeinsam hat mit dem sichtbaren Himmel über uns. Die Weite zum Beispiel, das Gefühl  grenzenloser Freiheit.  Aber vor allem kommt aus beiden Himmeln das, was wir zum Leben brauchen.

Aus dem von der Erde aus sichtbaren Himmel, der sich über unserer Erde wölbt,  kommen Regen und Wärme. Er bietet Schutz vor kosmischen Strahlungen, die wir ohne die Schutzschicht  nicht aushielten. Dieser irdische Himmel hat also ganz viel mit unserem Leben hier auf der Erde zu tun. Und der Mensch weiß: Ich bin für die Pflege und die Erhaltung des irdischen Himmels, für die Ozonschicht genauso verantwortlich, wie für die Pflege und die Bewahrung unserer Erde.

Für den anderen, den unsichtbaren Himmel sind wir Menschen nun aber ganz und gar nicht verantwortlich, der liegt  voll und ganz in der Verantwortung Gottes. Aber auch aus diesem Himmel kommt ganz Lebenswichtiges auf uns herab: Wenn uns etwas in unserem Leben nach viel Arbeit und Mühe gelingt, wenn sich nach langem, aussichtslos scheinendem Streit endlich Frieden und Verständigung einstellen, wenn wir von Krankheiten genesen – alle diese Erfahrungen kommen nach biblischem Verständnis von Gott, sie sind Gaben des Himmels; wir können sie unter auch dem Stichwort Segen zusammenfassen.Von diesem unsichtbaren göttlichen Himmel redet die Bibel in der Himmelfahrtsgeschichte, die heute in den christlichen Kirchen erzählt wird.

Sprecher:  Jesus  führte die Jünger hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. (Lukas 24, 50-53)1

Autor: Es ist also eine billige Polemik, wenn gesagt wird: Die Kosmonauten, die haben den Himmel mit ihrem Raumschiffen „erfahren“, aber Gott haben sie dort nicht gefunden. Das wissen auch die Leute schon, die vor 2000 Jahren die Himmelfahrtsgeschichte aufgeschrieben haben. Die klettern nicht auf Leitern, um den Himmel zu erstürmen – Raumschiffe gab es da ja noch nicht –, sondern die beten ganz einfach Jesus an. Um Kontakt zu dem Himmel Gottes aufzunehmen, brauchen wir also keine technischen Geräte. Die Menschen der Himmelfahrtsgeschichte kommen über das Gebet in Kontakt zum unsichtbaren Himmel. Sie beten Jesus an und drücken damit aus: Das, was uns mit dir verbindet, Jesus, ist nun bei Gott aufgehoben. Unsere Erfahrungen sind im wahrsten Sinne des Wortes „auf – gehoben“, also hoch gehoben, zu dir, Gott, hin erhoben: „Du hast uns Mut gemacht; manchmal hast du unser Handeln in Frage gestellt; du hast uns oder unsere Lieben nach langer Krankheit gesund werden lassen. Du hast uns gezeigt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.“

Alle diese Erfahrungen und Hoffnungen, die die Jünger mit Jesus verbinden, sind nicht einfach verschwunden. Im Gegenteil: Diese Erfahrungen und Hoffnungen haben jetzt einen Ort, von wo aus sie gespeist werden. Es ist der Himmel Gottes, und dieser Himmel ist nun von Jesus eingenommen. Wenn wir also wissen wollen, wie der Himmel zu uns steht, wie Gott sich zu uns hält, dann tun wir gut daran, an die Geschichten zu erinnern, die von Jesus erzählt werden. Wie der irdische Himmel, wie Regen und Sonne für das Wachstum der Früchte auf unserer Erde sorgen, so stammen aus dem unsichtbaren, göttlichen Himmel all die Früchte des Glaubens und der Hoffnung, die wir Menschen zum geistlichen Überleben in unserer Zeit brauchen. Mit diesem Segen herrscht Jesus über die Welt. – Wenn ich das glauben kann, lacht der Himmel – ob mit oder ohne Sonne.

Ihr Eberhard Helling, Pfarrer aus Lübbecke.

1 Übersetzung nach: Martin Luther (1984)

Audiobeitrag Jesu Herrschaft - Himmelfahrt


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