Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.05.12; Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Kinder auf der Suche nach Gott - Teil 2

Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger – die zweite Chance

O-Töne: Vielleicht haben die Kinder misshandelt; oder sind irgendwo eingebrochen in einen Laden; vielleicht haben die auch Geisel genommen und wurden erwischt; die haben vielleicht betrogen; die können jemanden entführt haben. Da steht nämlich immer eine Gefängnisstrafe drauf bei Entführungen.

Autorin: Gründe ins Gefängnis zu kommen gibt es viele. Die Klasse 4a der Wuppertaler Grundschule Peterstrasse hatten Pfarrer Jönk Schnitzius eingeladen. Er ist evangelischer Seelsorger  im neuen Jugendgefängnis in Wuppertal Ronsdorf.

O-Ton: Jetzt ist es ja so, ich arbeite als Pfarrer, aber ich bin kein Engel. Ich mache auch manchmal Sachen falsch.

O-Töne: Jeder macht mal Fehler;  Das ist auch der Alltag Fehler zu machen.

O-Ton: Ich finde das  ganz schön schwierig das zuzugeben, wenn man was falsch gemacht hat. Wie möchtet ihr denn, dass andere Kinder oder Erwachsene mit euch dann umgehen?

O-Töne: Ich möchte, dass man nicht sofort eine Strafe kriegt, sondern erst mal miteinander redet ; und nicht direkt geschlagen wird; man soll erst mal begründen warum man das gemacht hat.

O-Ton: Das man getröstet wird und nicht direkt auch geärgert wird: Der war`s, der hat was geklaut und so. 

O-Ton: Ich möchte auch nicht, wenn irgendetwas Schlimmes passiert ist, dass irgend einer dann zu Unrecht verdächtigt wird.

O-Ton: Das möchten eigentlich alle, die ich kenne. Auch die Jugendlichen, die in dem Gefängnis sind, in Ronsdorf. Was denkt ihr denn wie Gott darüber denkt, wenn ich, wenn du, wenn wir irgendetwas falsch machen.

O-Ton: Also, ich denk, der wird auch eher verzeihen, weil er selbst macht ja auch manchmal Fehler. Jeder Mensch macht ja auch manchmal  Fehler, so hat er uns ja auch geschaffen.

O-Ton: Gott bestraft auch manchmal Leute, weil sie es sich verdient haben.

O-Ton: Ich finde Gott ist ja wie ein gnädiger Richter, und  dann wird er uns ja auch verschonen, dass alle Leute in den Himmel kommen.

O-Ton: Gott mag ja jeden Menschen, so wie er ist, und auch wenn er Fehler macht mag er ihn noch.

O-Ton: Was denkt ihr denn, wofür die Strafe gut ist und welche Strafe sinnvoll ist?

O-Ton: Strafen sind dafür gut, damit man es nicht wieder macht.

O-Ton:  Aber Strafen können  auch schlecht sein, weil manche sich daran rächen wollen.

O-Ton: Also, ich finde eigentlich, dass die Gefängnisse, das die eigentlich  überflüssig sind. Ich finde, dass es viel mehr Seelsorger geben sollte.

O-Ton:  Glaubt Ihr  dass Gott auch bestraft?

O-Ton:  Gott bestraft auch  ein bisschen, aber nicht immer so dolle, weil es tut den Leuten ja auch leid

O-Ton:  Er bestraft, indem er einen Menschen  traurig macht. Aber er bestraft jetzt nicht mit Computerverbot oder Gefängnis oder so was. 

O-Ton:  Gott bestraft schon, aber er bestraft  nicht so hart wie wir Menschen, weil  er hat uns ja erschaffen, und warum sollte er uns wehtun, also sich selber wehtun?

O-Ton:  Manchmal treffe ich auch Gefangene, die sagen, ich habe so was Schlimmes gemacht, das wird Gott auf jeden Fall bestrafen. Und die können sich gar nicht vorstellen, dass Gott das nicht bestraft. Was haltet ihr von dem Satz jeder hat eine zweite Chance verdient.

O-Ton: Ich halte von dem Satz sehr viel, weil jeder Mensch mal Fehler macht.

O-Ton: Deshalb finde ich auch die Todesstrafe  nicht gut, weil da kann ja keiner mehr eine zweite Chance haben.

O-Ton:  Also, ich glaub das nicht. Also, ich glaub, man hat viel mehr Chancen als nur zwei. Ich glaube, man hat so zwanzig oder ganz viele jedenfalls.

O-Ton:  Bei der zweiten Chance macht man den Menschen auch wieder Mut. Dass man auch wieder Lust hat, zu leben.

Audiobeitrag Kinder auf der Suche nach Gott - Teil 2


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