| |
Wassertropfen
Guten Morgen, liebe Hörerin und lieber Hörer! Immer öfter werden sie gesucht: Die Helden des Alltags. Und es gibt eine Menge mehr als wir ahnen:
27 Millionen allein in Deutschland. Es sind die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich in Sportvereinen und kirchlicher Jugendarbeit, in der Seniorenbetreuung und in der Sterbebegleitung, in Tierheimen und im Umweltschutz einsetzen und dafür ganz viel von ihrer Freizeit opfern. Kennen Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer, jemanden, der für Sie ein Held oder eine Heldin ist heute oder in früherer Zeit? Vielleicht gab es für Sie in Ihrer Kindheit jemanden, der Ihnen wichtig geworden ist. Hat dieser Mensch das gewusst, dass er so wichtig für Sie war? Oder heute: Vielleicht sind Sie als hilfsbedürftiger Mensch auf andere angewiesen, die ihnen im Alltag beistehen. Gibt es darunter jemand, der ihnen besonders wichtig ist, den sie vielleicht gerade heute sehnlichst erwarten?
Ich kenne eine ganze Reihe von Helden im Alltag, die ich nicht mehr missen möchte. Sie arbeiten in unserer Kirchengemeinde mit und sind unverzichtbar: Ganz viele sind noch jung, viel jünger als ich. Sie haben zu den Kindern und Jugendlichen in unserer Gemeinde einen viel besseren Zugang als ich. Sie teilen ihr Leben mit ihnen, und erzählen dabei ganz viel von ihrem Glauben. Man spürt ihr Engagement auf Schritt und Tritt in der Gemeinde. Manchmal zweifeln sie an sich, ob sie alles richtig machen. Ich sage dann: Ihr müsst gar nicht alles richtig machen. Die Hauptsache ist, dass ihr mit dem Herzen dabei seid. Selbstverständlich bekommen die, die es brauchen auch eine Schulung für ihre Arbeit. Aber die Qualifizierung ist nur ein Baustein und ersetzt nicht die Persönlichkeit, mit der die Alltagshelden überzeugen. Manche der Ehrenamtlichen in meiner Gemeinde sind selbst darüber überrascht, dass sie so gut ankommen und andere sich über ihr Tun so sehr freuen. Für sie habe ich die Geschichte von den Wassertropfen ausgewählt, stellvertretend für alle Helden im Alltag, die kein Aufhebens von sich machen, aber ohne die gar nichts mehr gut wäre:
Jeden Tag gehen die Frauen aus dem Dorf hinunter zum Fluss. In großen Tonkrügen holen sie Wasser, denn im Dorf gibt es keine Quelle. Eines Morgens schaut eine der Frauen verträumt einem Schmetterling hinterher. Dabei stolpert sie, und der Krug wird beschädigt. Einen zweiten hat sie nicht, auch kein Geld für einen neuen, und so umwickelt sie den Krug notdürftig mit ihrem Tuch. Aber das Wasser tropft an den Bruchstellen heraus, und als sie im Dorf ankommt, ist die Hälfte weg. (
) Eines Morgens aber, als die Frauen wieder zum Fluss gehen, ist der schmale Pfad gesäumt von grünen Gräsern und vielen kleinen Blumen, rot, gelb und weiß leuchten sie. "Das waren deine Wassertropfen", lachen die Frauen, "sie haben den staubigen Weg zum Blühen gebracht." (Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten, Verlag Andere Zeiten, 10.Aufl. 2011, S. 39)
Das ist eine schöne Beschreibung für die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen, die oft ohne große Worte zu machen, Großes leisten: Sie bringen den staubigen Weg zum Blühen. Viele kirchliche Ehrenamtliche schöpfen dabei aus einer besonderen Quelle: Jesus sagte einmal:
Wenn jemand Durst hat soll er zu mir kommen und trinken - jeder der an mich glaubt, so sagt es die Heilige Schrift: Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen. (Johannes 7,37+38, Basis-Bibel). Ob in der Kinder- und Jugendarbeit oder bei Senioren, ob in diakonischen Einrichtungen oder bei Hausbesuchen die Helden des Alltags begleiten Menschen auf staubigen Lebens-Straßen. Und wenn dann neuer Mut, neue Kraft und Trost aufblühen, könnte es sein, dass die Helden aus einer besonderen Quelle geschöpft haben. Die steht bereit für jeden und jede von uns.
Allen Helden des Alltags immer genug Wasser im Krug wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Hilchenbach im Siegerland.
Wassertropfen
|